Laut vorläufigen Ergebnissen fehlen der AfD in Sachsen-Anhalt drei Sitze für eine absolute Mehrheit. Die Partei sucht nun Unterstützung von anderen Parteien oder Einzelpersonen, um eine Regierung zu bilden.
Aufruf zum Dialog nach historischem Erfolg
Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD, forderte ihre politischen Gegner auf, in Gespräche einzutreten. Sie betonte: „Sie können nicht sagen, dass ich das Stimmbild des Volkes nicht akzeptiere.“
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat keine rechte Partei ein Bundesland in Deutschland regiert. Eine Regierung auf Landesebene würde Macht über Polizei und Bildungspolitik bedeuten. Von Storch warnte, dass bei einer Weigerung, mit der AfD zu kooperieren, „wir möglicherweise in schweren Chaos geraten und eine Neuwahl haben könnten“.
Landesregierung im Umbruch
AfD-Landeschef Ulrich Siegmund bestätigte auf einer Pressekonferenz am Montag, dass die Partei ein „klares Regierungsmandat“ erhalte. Sachsen-Anhalt hat 2,1 Millionen Einwohner. Der Inlandsgeheimdienst stuft die AfD in dem Bundesland als „rechtsextrem“ ein – eine Klassifizierung, die Siegmund, 35, zurückweist.
Der Politiker sagte, dass Gespräche mit anderen Parteien bereits am Sonntagabend begonnen hätten und sich über Tage oder Wochen erstrecken könnten. „Wir wenden uns an alle, führen Beratungen und sehen dann, ob es einzelne Parlamentsgruppen oder Abgeordnete gibt, die uns unterstützen könnten“, erklärte er.
Die AfD würde derzeit 39 von 83 Sitzen im Landtag erringen, drei weniger als nötig, um eine Alleinregierung zu bilden. Von Storch teilte der BBC mit, dass die AfD mit Einzelpersönlichkeiten aus der konservativen CDU-Gruppe, der größten Partei sowohl in der sächsisch-anhaltschen Ausgangskoalition als auch in der Bundesregierung, spreche, da diese „sehr, sehr unzufrieden mit ihrer eigenen Partei“ seien.
Laut vorläufigen Ergebnissen erzielte die CDU 17,2 Prozent. Eine mögliche Lösung wäre ein informelles Abkommen, bei dem eine kleine Partei, die BSW, ihre stille Unterstützung für eine Minderheitsregierung der AfD geben könnte.
Weitreichende politische Auswirkungen
Der linkspopulistische BSW, der voraussichtlich fünf Sitze gewinnt, ist ebenfalls kritisch gegenüber Migration und unterstützt den Import russischen Gases. Die AfD signalisierte Bereitschaft, mit anderen Parteien zu sprechen, doch alle außer dem BSW weigern sich, mit der rechten Partei zu kooperieren.
Die AfD führt in den Umfragen bundesweit, vor der konservativen Union von Kanzler Friedrich Merz und den Sozialdemokraten. Ihr Stammwählerkreis liegt jedoch in den ostdeutschen Bundesländern. 2024 gewann die AfD auch die Landtagswahl in Thüringen, doch auch dort fehlten ihr die Sitze für eine Regierung.
Zu den politischen Forderungen der AfD zählt ein umstrittenes Konzept zur „Rückwanderung“, das als Massendeportationen verstanden wird. Die Partei betont jedoch, dass es nur um die Ausweisung von Kriminellen und Illegalen gehe.
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