Die Demokratie steht unter wachsendem Druck durch den Klimawandel. Laut einem Bericht des Internationalen Instituts für Demokratie und Wahlen (International Institute for Democracy and Electoral Assistance) prägen Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Brände und Hitzewellen zunehmend Wahlen und Referenden – nicht nur politische Faktoren.

Klimabedingte Störungen nehmen zu

Forscher fanden heraus, dass in den letzten 20 Jahren mindestens 94 Wahlen und Referenden in 52 Ländern durch klimabedingte Ereignisse gestört wurden, though Mit zunehmenden Risiken wird der Druck auf bereits fragile demokratische Systeme, insbesondere in Afrika und Asien, voraussichtlich steigen.

Die Erkenntnisse stammen vom Internationalen Institut für Demokratie und Wahlen, einer intergouvernementalen Organisation, die weltweit Demokratie fördern will. Es handelt sich um die erste globale Analyse, wie natürliche Gefahren Wahlen beeinflussen.

Extremwetter stört das Abstimmen

Im Jahr 2024 störten solche Gefahren 23 Wahlen in 18 Ländern, darunter Brasilien, Bosnien-Herzegowina und Senegal. Dies geschah entweder durch beschädigte Infrastruktur, verdrängte Wähler oder letzte-Minute-Änderungen im Wahlverfahren.

Die Mitautorin des Berichts, Sarah Birch, Professorin für Politik an der King’s College London, sagte, Wahlen sollten so geplant werden, dass sie vorhersagbaren klimatischen Risiken aus dem Weg gehen. Sie wies darauf hin, dass selbst die USA weiterhin bestrebt seien, Wahlen im November abzuhalten, während der Hurrikan-Saison.

„Wahlen sollten in Zeiten stattfinden, in denen Katastrophen am unwahrscheinlichsten sind“, sagte sie. „In einigen Fällen müssen Wahlbehörden auch Änderungen an Wahlterminen in Betracht ziehen, um die Wahrscheinlichkeit von Störungen durch kurzfristige Katastrophen zu verringern.“

Die Studie hebt mehr als 100 klimabezogene Krisen hervor. So stürzte der Zyklon Idai 2019 in Mosambik Tausende Häuser, Schulen, Stromleitungen und Straßen ein und zwang Menschen, sich an sicherere Orte zu begeben. Laut Bericht beeinflusste dies das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen und die Verteilung der Parlaments- und Provinzsitze.

Ein weiteres Beispiel ist die Überschwemmung während der Parlamentswahlen in Senegal im November 2024, als Feuerwehrleute benötigt wurden, um Wahlbeobachter zu den Wahllokalen zu bringen.

Hitze ist ein weiteres wiederkehrendes Problem. Seit 2022 wurden mindestens 10 Wahlen durch extremen Wetter beeinflusst. Dazu gehörte die Bundestagswahl in den Philippinen im vergangenen Jahr, bei der die extreme Hitze dazu führte, dass einige Stimmabgabemaschinen am Wahltag überhitzen und bereits akzeptierte Stimmzettel auswarfen.

Anpassung an den sich wandelnden Klimawandel

Hitze ist eine besondere Bedrohung für Wahlen in Megastädten mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. In der nigerianischen Stadt Lagos gibt es mittlerweile 89 Tage im Jahr, an denen lokale Temperaturen deutlich über dem Vorklimawandel-Niveau liegen.

Um die Auswirkungen extremer Wetterereignisse abzumildern, fordert der Bericht, dass Wahlorganisatoren eng mit Meteorologen, Umweltschutzbehörden und Katastrophenhilfsorganisationen zusammenarbeiten.

So haben beispielsweise Wahlbeamte in Peru Schulungen im Katastrophenrisikomanagement absolviert, um Störungen am Wahltag besser bewältigen zu können. Im nächsten Jahr wird das kanadische Provintparlament Alberta seine traditionelle Wahl im Mai auf den Oktober verlegen, um die Waldbrand-Saison zu umgehen.

Ferran Martínez i Coma, Professor für Regierung an der Griffith University in Australien, sagte: „Mit zunehmenden natürlichen Gefahren ist die Ausbildung und Planung von Notfällen wichtiger denn je. Vorbereitung ist der Schlüssel zur Integrität und Stabilität der Wahlen.“