Österreich hat drei russische Diplomaten ausgewiesen, nachdem sie Spionage betrieben haben sollen, berichtet der BBC. Die Betroffenen seien bereits aus dem Land abgereist, teilte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger mit. Sie hätten eine „Wald von Antennen“ auf Dächern diplomatischer Gebäude genutzt, um Informationen zu sammeln.
„Unberechtigte“ Maßnahme
Eine vom Außenministerium bestätigte Meldung des Österreichischen Rundfunks (ORF) nennt als Grund die Antennen auf dem Dach der russischen Botschaft in Wien und an einer diplomatischen Mission. „Wir betrachten diese neueste feindliche Handlung der österreichischen Behörden als völlig unberechtigt, rein politisch motiviert und kategorisch unannehmbar“, erklärte die russische Botschaft in einer Erklärung.
„Moskau wird sicherlich scharf auf diese völlig unüberlegten Handlungen der österreichischen Seite reagieren“, hieß es weiter. Laut ORF sind die Antennen seit längerer Zeit ein Problem für österreichische Geheimdienste, da sie es Russland ermöglichten, Daten über Satelliten-Internet abzufangen, darunter von internationalen Organisationen.
Spionage als Sicherheitsproblem
„Spionage ist ein Sicherheitsproblem für Österreich“, sagte Meinl-Reisinger in einer Erklärung an die BBC. „Wir haben in dieser Regierung eine Kursänderung bewirkt und gegen sie entschlossen vorgehen. Das haben wir der russischen Seite insbesondere im Hinblick auf den Wald von Antennen an der russischen Botschaft klargemacht.“
Die Ministerin fügte hinzu, es sei „unannehmbar, dass diplomatische Immunität für Spionage genutzt wird“. Dies ist die neueste Episode in einer Reihe von Vorfällen, bei denen Individuen aufgrund von Spionagevorwürfen gegen Russland und Deutschland angeklagt wurden. Im Januar stand ein ehemaliger Geheimdienstoffizier vor Gericht. Es war der größte Spionageprozess in Österreich in den letzten Jahren.
Internationale Spionagevorwürfe
Egisto Ott wurde vorgeworfen, Informationen an russische Geheimdienstbeamte und an Jan Marsalek, den flüchtigen Ex-Manager der insolventen deutschen Zahlungsplattform Wirecard, weitergegeben zu haben. Dafür habe er vermutlich Geld erhalten. Ott’s Anwältin Anna Mair leugnete die Vorwürfe bereits. Marsalek, ein österreichischer Staatsbürger, wird beschuldigt, ein Spionagetool für den russischen Sicherheitsdienst FSB zu sein. Er wird von der deutschen Polizei wegen angeblichen Betrugs gesucht und ist Gegenstand eines Interpol-Roten Hinweises.
Marsalek wird derzeit in Moskau vermutet, wo er 2020 über Österreich geflohen war. Ott’s Prozess läuft noch. Separat gab Deutschland im gleichen Monat bekannt, jemanden ausgewiesen zu haben, der Spionage für Russland betrieben haben soll, und hatte zudem den Botschafter vorgeladen.
In einer Social-Media-Publikation erklärte das Auswärtige Amt, dass es in Deutschland keine Spionage dulde, „insbesondere nicht unter dem Deckmantel diplomatischer Immunität“. Wien hat eine lange Tradition als Spionagezentrum, die bis heute andauert. Während des Kalten Krieges war das neutrale Österreich, das nahe der Eisernen Kette lag, ein günstiger Ort für Abhörstationen.
Heute beherbergt das Land einen der Hauptsitze der Vereinten Nationen (UN) und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Viele Länder unterhalten bis zu zwei diplomatische Vertretungen bei diesen internationalen Organisationen sowie eine Botschaft – was sowohl diplomatische Immunität als auch Deckung für Spione bietet. Der neueste Bericht des österreichischen Bundesamtes für Verfassungsschutz und Sicherheitsfragen (BVT) nennt Wien „einen der letzten verbleibenden Standorte für russische Signalfangspionage in Europa“.
Der Bericht betonte zudem, dass dies auch zu „der hohen Zahl an russischen diplomatischen Mitarbeitern“ in der Hauptstadt beitrage. „Österreichs internationale Reputation wird durch russische Signalfangspionage aus Wien beschädigt“, hieß es darin. Rund 220 Personen sind noch bei russischen diplomatischen Missionen in Österreich akkreditiert. Das Land hat seit Beginn des Krieges in der Ukraine 14 russische Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen.
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