UEFA hat auf einer Notfallversammlung einstimmig beschlossen, bei zukünftigen WM-Endrunden und anderen FIFA-Events nicht mehr teilzunehmen, wenn die Vorschläge bestehen bleiben. Der europäische Verband lehnte einstimmig und uneingeschränkt den Plan von FIFA-Präsident Gianni Infantino ab, eine kommerzielle Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) einzurichten, die externe Investoren aufnehmen könnte. Der Plan benötigt Zustimmung von mindestens 106 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände, doch UEFA und Concacaf-Mitglieder werden dagegen stimmen.

WM nicht zum Verkauf, sagen UEFA-Vertreter

„Es ist eine der größten sportlichen Erbstücke des Fußballs, das über Generationen von Spielern, Nationalmannschaften und Fans auf allen Kontinenten aufgebaut wurde, und kein Teil davon sollte jemals in die Hände privater Investoren fallen. Die WM ist nicht zum Verkauf“, hieß es in der Erklärung, zitiert von der BBC. UEFA-Mitglieder argumentieren, dass die Kommerzialisierung der WM deren sportliches Erbe und Integrität untergräbt. Sie befürchten, dass die Erlaubnis für private Investoren, Anteile an FIFA Forward Enterprise zu erwerben, die Kontrolle von den Nationalverbänden wegverschieben könnte.

Infantino bot FIFA-Mitgliedern bis zu 40 Millionen Dollar an, um den Vorschlag zu unterstützen, wobei 20 Millionen bereits für Verbindlichkeiten bis zum 19. September zur Verfügung stünden. UEFA-Mitglieder lehnten jedoch die finanziellen Anreize ab. Europäische FA-Vertreter beschrieben die Stimmung im Raum als „giftig“, berichtet die BBC. FA-Präsidentin Debbie Hewitt und Geschäftsführer Mark Bullingham sprachen sich gegen den Plan aus, obwohl Hewitt eine der acht FIFA-Vizepräsidentinnen ist, die vorher nichts von den Diskussionen wusste.

Boykott sofort bei Annahme

UEFAs Boykott würde auf alle FIFA-Wettbewerbe ausgeweitet, einschließlich der Herren- und Damen-WM sowie der Club-Weltmeisterschaft. Der erste Prüfstein für diese Haltung wird im Oktober mit den Qualifikationsspielen der Damen-WM kommen. UEFA hat ihre Mitglieder angewiesen, FIFA formell zu schreiben, um ihre Absicht zu boykottieren bekanntzugeben, es sei denn, die Vorschläge werden abgelehnt. In einer Erklärung heißt es: „Keine Uefa-Nationalmannschaft wird an einem Fifa-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleiben, es sei denn, dieser Vorschlag ist in seiner Gesamtheit aufgegeben worden und es wurden bindende Zusicherungen gegeben, dass Fifa ihre Governance oder Wettbewerbe nie wieder Privatinvestoren öffnen wird“, zitiert The Guardian.

Trotz früherer Befürchtungen, dass kleinere Länder von den finanziellen Anreizen beeinflusst werden könnten, endete die Versammlung mit einer starken und einheitlichen Front. Etwa 20 FA-Chefs sprachen, und die Einheitlichkeit der Haltung wurde als bedeutend beschrieben. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin eröffnete die Sitzung, gefolgt von Reden von Mitgliedern des Exekutivkomitees und FIFA-Ratsvertretern.

Pläne stoßen auf große Widerstände

FIFAs Vorschlag zielt darauf ab, eine neue Einheit namens FIFA Forward Enterprise (FFE) zu schaffen, um kommerzielle und operative Aspekte großer Turniere zu verwalten, einschließlich der WM. Laut der 경향신문 würde die Einheit Fernsehrechte, Sponsoring, Kartenverkauf und Turnierorganisation übernehmen. Kritiker argumentieren, dass der Plan versucht, die WM in ein Investmentprodukt für Privatkapital zu verwandeln. Der südkoreanische Ausgang fasste die Kontroverse in einer FAQ zusammen und erklärte, dass während FIFA den Plan als Mittel zur Sicherung von Finanzmitteln für den Fußballentwicklung bezeichnet, viele im Fußballmilieu ihn als gefährliche Änderung der Governance betrachten.

Der Plan benötigt 106 Zustimmungen, doch UEFA und Concacaf-Mitglieder bilden zusammen 96 Verbände, die dagegen stimmen. Infantinos Wiederwahl im März wird zusätzlich unter Druck gesetzt, da UEFAs Haltung seine Position schwächt. The Guardian berichtete, dass viele europäische FAs zuvor Infantinos Wiederwahl unterstützt hatten, doch die Entscheidung zum Boykott gefährdet nun diese Unterstützung.

Infantino hat an FIFA-Mitglieder geschrieben und sie dazu aufgefordert, den Vorschlag zu unterstützen, wobei er finanzielle Anreize dafür anbot. UEFAs formale Ablehnung könnte jedoch bedeuten, dass der Vorschlag die nötige Unterstützung nicht bekommt. Der Verband hat sich selbst bis zum 19. September Zeit gegeben, um Verbände um die Zustimmung zu bitten, doch UEFAs Drohung, nicht mehr an Wettbewerben teilzunehmen, könnte eine Überlegung zwingen.

Während die Debatte andauert, bleibt die Zukunft der WM-Governance offen. UEFAs Entscheidung sendet ein starkes Signal, dass die Integrität des Turniers bei den Fußballverbänden und nicht bei Privatinvestoren bleiben muss.