Ducati-Chef Jason Chinnock verwies in einem kürzlich bei Business Insider gegebenen Interview auf die Unwahrscheinlichkeit autonomer Motorräder und erklärte, die Technologie widerspreche dem Wesen des Motorradfahrens. „Niemand will ein selbstfahrendes Motorrad“, sagte Chinnock klar und deutlich.

Seine Aussagen stehen im Kontrast zur Entwicklung selbstfahrender Autos durch Unternehmen wie Waymo und Tesla. Ducati, der italienische Hersteller hochleistungsfähiger Motorräder wie der Panigale V4, sieht das Motorradfahren als aktive Beschäftigung, nicht als passiven Transport. Fahrer suchen das Gefühl beim Kurvenfahren, das Motorengeräusch und den Wind im Gesicht, erklärte Chinnock. Automatisierung würde diese Interaktion verlieren lassen.

Chinnock unterschied zwischen nützlicher Technik und vollständiger Automatisierung. Ducati ausstatten bereits Motorräder mit Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Wheelie-Kontrolle, Quickshifter und Ride-by-Wire-Gashebel. Neue Modelle verfügen über Radar-Adaptiv-Kruise-Kontrolle und Blindfahrer-Erkennung, alle entwickelt, um Fahrer zu unterstützen, ohne die Kontrolle zu übernehmen. „Es ist ein Beifahrer, kein Ersatz“, erklärte er im Interview.

Im Motorradsektor gab es bereits Ansätze zur Automatisierung. BMW Motorrad demonstrierte vor Jahren eine selbstausgleichende R1200GS als Forschungstool, nicht als Produkt. Honda testete ähnliche Technologie. Kein großer Hersteller bietet fahrerlose Motorräder zum Verkauf an, was still mit Chinnocks Auffassung übereinstimmt, dass Fahrer Interaktion suchen, nicht Ausstieg.

Laut Branchendaten steigt das Durchschnittsalter von Fahrern in den USA und Europa über 50, wie Zahlen des Motorcycle Industry Council zeigen. Jüngere Menschen erhalten seltener eine Fahrerlaubnis. Ducati kontert mit der Scrambler-Linie für Anfänger und MotoGP-Rennen, um Fans anzuziehen. Sicherheitstechnik senke den Einstieg, ohne Automatisierung, erklärte Chinnock.

Elektrifizierung stellt eine größere Herausforderung dar. Ducati betreibt MotoE-Motorräder und hat elektrische Prototypen gezeigt. Serienmodelle hinken hinterher, aufgrund der Batteriegewichts, Reichweite und fehlenden Motorengeräusche – das Brummen des Desmosedici V4 definiert die Marke. Chinnocks Philosophie: Technik anwenden, die das Fahrerlebnis verbessert, und die, die es zerstört, vermeiden.

Kritiker in der Technikbranche verweisen auf frühere Widerstände. Kodak ignorierte digitale Kameras; BlackBerry lehnte Touchscreens ab. Beide verloren. Motorräder sind jedoch anders. Wie Pferde reiten nach der Erfindung des Automobils, blühen Motorräder als Freizeitbeschäftigung in reichen Ländern, nicht als tägliche Commute. Enthusiasten zahlen Premiums für die körperliche Erfahrung.

Ducati verkaufte 2023 weltweit 54.052 Motorräder, ein Anstieg um 4 Prozent gegenüber 2022, zeigen Unternehmensdaten. Premiummodelle trieben das Wachstum, obwohl wirtschaftliche Druck bestehen. Chinnocks Position setzt auf die Ausdauer der Fahrerpassion. Selbst wenn Autos autonom werden, bleiben zwei Räder menschlich gesteuert.

Das Interview kommt, während selbstfahrende Autos Hindernisse begegnen. Waymo betreibt Robotaxi in Phoenix, San Francisco und Los Angeles. Teslas Full Self-Driving steht nach Unfällen unter Untersuchung. Apple beendete im Februar 2024 sein Auto-Projekt nach zehn Jahren. Der Verbraucherbedarf für fahrerlose Reisen teilt sich.

Für Ducati, seit 1926 in Bologna verwurzelt, bleibt der Fahrer zentral. Chinnocks Worte spiegeln eine Tradition wider: Motorräder für die, die fahren, nicht für die, die beobachten.