LONDON — Baz Luhrmann verwandelt unentdecktes Elvis-Presley-Material in eine lebendige Hommage. EPiC: Elvis Presley In Concert nutzt 59 Stunden bisher unveröffentlichte Aufnahmen, die während der Vorbereitung seines 2022er-Biopics in den Salzbergwerken von Kansas City in den MGM-Archiven entdeckt wurden. Fans forderten die Veröffentlichung des Materials nachdem es ausgeschnitten wurde. Luhrmanns Team synchronisierte stumme Bilder mit bestehenden Audio-Tracks. Sie integrierten sogar eine 45-minütige, bisher ungehörende Interviewsequenz, in der Presley seine eigene Geschichte erzählt.
Das Ergebnis mischt Dokumentarfilm-Elemente mit Live-Aufnahmen. Einblick in Proben sorgt für Intimität, alles kommentiert Elvis selbst. Luhrmann bezeichnet es als ‘Tondicht’, vermeidet Experteninterviews und konzentriert sich auf unmittelbare Einbindung. Peter Jacksons Park Road Post Production restaurierte die Sequenzen mit scharfen, hyperrealistischen Farben, ähnlich wie bei ihrer Arbeit an dem Beatles-Film Get Back.
Im ersten Teil des 96-minütigen Films fesselt der Film die Zuschauer. Archiv-Ausschnitte verfolgen Presleys Durchbruch in den 1950er-Jahren. Die Sequenzen tauchen dann in seine Hollywood-Phase der 1960er-Jahre ein — mittelmäßige Filme wie Love A Little, Live A Little von 1968, inklusive eines Mannes in einem billigen Hunde-Anzug. Die Sequenz verwirrt, andeutet Elvis’ Frustration, ohne sie auszusprechen.
Presley strahlt am stärksten auf der Bühne. Er schwelgt in ‘Burning Love’. Eine ergreifende Version von ‘In The Ghetto’ fasziniert. Er macht sich die Gesten, spielt mit Bandkollegen. Niemand kann dem größten Showman des 20. Jahrhunderts das Wasser reichen. Die Augen bleiben am Bildschirm haften.
Probleme entstehen, wenn Luhrmann tiefergehende Themen anspricht. Elvis’ Scheidung von Priscilla Presley im Jahr 1973 wird mit seiner Interpretation von ‘You Were Always On My Mind’ verbunden. Seine Beziehung zu seinem Manager Colonel Tom Parker wird in ‘(You’re The) Devil in Disguise’ thematisiert. Diese Verbindungen wirken oberflächlich. Autor Peter Guralnick benötigte 600 Seiten in seinem 2025 erschienenen Buch The Colonel And The King, um Parker’s Rolle jenseits des Antagonisten zu erörtern.
Luhrmann thriviert auf Oberflächlichkeit. Seine Erfolge wie The Great Gatsby und Elvis lieben den Glanz. Dokumentarfilme verlangen tiefere Forschung. EPiC ruft Presleys Ikonokratie hervor, ohne die Tiefe vollständig zu erfassen. Dennoch springt der King’s Energie vom Bildschirm. Vielen Dank, vielen Dank sehr.
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