EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vorgeschlagen, Kanada zur ersten assoziierten Mitgliedschaft der EU zu erheben, berichtet NewsCord. Bei ihrer Rede zum Stand der Union in Straßburg sagte von der Leyen dem kanadischen Premierminister Mark Carney: „Ich möchte mit Ihnen zusammenarbeiten, um Kanada zur ersten assoziierten Mitgliedschaft der EU zu machen.“

Strategische Partnerschaft und gemeinsame Prioritäten

Von der Leyen betonte, dass die EU und Kanada „die Welt mit denselben Augen sehen“, wie CNBC meldete. Die Partnerschaft werde sich auf Bereiche wie künstliche Intelligenz, Klimawandel, Geopolitik und Sicherheit in der Arktis konzentrieren. Die EU und Kanada verfügen bereits über ein Freihandelsabkommen, das EU-Kanada-Abkommen (CETA), das 99 Prozent aller Zollgebühren beim vorläufigen Inkrafttreten 2017 eliminierte.

Kanada kämpft derzeit mit einem Handelskrieg gegen die USA und hat zugesagt, die Zölle von Präsident Donald Trump Punkt für Punkt zu spiegeln. Von der Leyen erwähnte Trump nicht namentlich, betonte aber, dass ein EU-Mitgliedschaftsangebot für Kanada „keine Partnerschaft gegen jemanden ist, sondern für unsere gemeinsame Stärke“, wie NewsCord berichtete.

Flexibles Mitgliedschaftsmodell und institutionelle Unsicherheit

Das Vorschlag einer assoziierten Mitgliedschaft markiert eine neue Form der Zusammenarbeit mit einem Nicht-EU-Land, wobei viele Details noch unklar sind. Von der Leyen sagte, die EU und Kanada würden „vom CETA zu einer Allianz für die Zukunft übergehen, um einen gemeinsamen Raum für Wohlstand und wirtschaftliche Sicherheit zu schaffen“, wie CNBC meldete. Ob assoziierte Mitglieder Stimmrechte oder andere Governance-Rechte erhalten, ist jedoch unklar. Euronews betonte, dass der Status „gänzlich neu“ sei und „weitere Details noch zu klären seien“.

Der Chefökonom von Berenberg, Holger Schmieding, bezeichnete den Schritt als „einen großen Fortschritt“, wobei er betonte, dass Europa Partnerschaften mit demokratischen Staaten mit ähnlichen Werten vertiefen oder neu schließen wolle, um die Abhängigkeit von den USA und China zu verringern. „Es geht nicht unbedingt gegen die USA, aber es ist klar, dass wir uns weniger von den USA und weniger von China abhängig machen wollen“, fügte Schmieding hinzu.

Weitreichende Vision für die europäische Integration

Dieser Vorschlag passt in eine umfassendere Vision einer einflussreicheren Europäischen Union. Der finnische Präsident Alexander Stubb hatte im Juni bereits seine Vorstellung eines viel größeren EU-Raums skizziert und vorgeschlagen, dass die Union „groß denken“ müsse, um auf der Weltbühne Einfluss zu gewinnen. Von der Leyens Vorschlag zielt darauf ab, „unsere Partnerschaften dringend neu zu denken“, wie NewsCord berichtete. Damit spiegelt sich ein strategischer Wechsel in der EU-Politik wider, wie sie mit globalen Partnern zusammenarbeitet.

Die EU war in der Vergangenheit zögerlich, flexible Mitgliedschaftsmodelle in Betracht zu ziehen – etwa bei der Debatte über eine assoziierte Mitgliedschaft für die Ukraine. Der Vorschlag für Kanada ist jedoch ein bedeutender Schritt in der EU-Außenpolitik und Wirtschaftsstrategie.