FIFA-Präsident Gianni Infantino hat nach heftiger Kritik aus dem In- und Ausland den Plan, einen 20-Milliarden-Dollar-Anteil an der Fußball-Weltmeisterschaft an Privatequity-Investoren zu verkaufen, abgeblasen. In einer Erklärung vom frühen Samstagabend sagte Infantino, das Vorhaben habe Risse in der Sportwelt verursacht, die nicht im Interesse des Fußballs lägen. „Unser Ziel war und bleibt es, zu vereinen und zu verbessern“, betonte er.

Innerer und internationaler Widerstand

Der Vorschlag, der unter anderem Investoren aus der Familie Kushner beinhaltete, stieß seit seiner Ankündigung am Dienstag auf wachsenden Widerstand. Der europäische Fußballverband UEFA führte den Kampf gegen das Projekt an. Alle 55 seiner Mitgliedsnationen einigten sich darauf, die WM und alle anderen FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren, falls der Plan in die Tat umgesetzt würde. „Einige Dinge sind einfach zu wichtig, um sie zu verkaufen“, hieß es in einer Erklärung von UEFA. „Die FIFA-Weltmeisterschaft gehört dem Fußball. Immer.“

Infantinos Seniorberater Carlos Cordeiro, ehemaliger Goldman-Sachs-Banker und Mitglied der US-Präsidenten-Beratungsgruppe für die WM, trat am Freitag zurück und forderte andere hochrangige FIFA-Mitarbeiter auf, sich gegen das Projekt zu positionieren. „Ich kann nicht untätig bleiben, während die FIFA erwägt, einen Anteil an der Weltmeisterschaft zu verkaufen“, sagte Cordeiro in einer Erklärung.

Interne Unzufriedenheit und Zeitplan

Stunden nach Cordeiros Rücktritt gab Kevin Lamour, der stellvertretende FIFA-Chef, gegenüber der Associated Press zu Protokoll, dass die Mitarbeiter in den letzten Monaten nicht über die Planung des Verkaufs informiert worden seien. Lamour sagte, das Fehlen von Transparenz habe zu Missverständnissen geführt und das Projekt nicht fortgeführt werden dürfe. „Das ist das Projekt einer Person“, schrieb Lamour.

Laut Berichten hatte die FIFA einen Entscheidungsstichtag am 19. September für die Investorensache festgelegt und dafür eine besondere Zahlung versprochen. Doch das gesamte Vorhaben ist nun vom Tisch. Infantino kündigte an, in den nächsten Wochen alle Beteiligten wieder zusammenzubringen „im Geist eines gemeinsamen Interesses an unserem Sport“.

Infantinos Vision und nächste Schritte

Infantino betonte, sein Ziel bleibe, den Fußball in den Ländern zu stärken, die es am meisten brauchen. „Europas Position ist klar“, sagte er. „Die FIFA-Weltmeisterschaft gehört dem Fußball.“ Trotz des Widerstands deutete Infantino an, einen neuen Finanzierungsansatz zu verfolgen. Er versicherte, der Fokus der FIFA bleibe auf der Vereinigung der globalen Fußballgemeinschaft und nicht auf der Privatisierung ihres wichtigsten Events.

Der nordamerikanische Verband CONCACAF und der asiatische Fußballverband AFC unterstützten den Plan ebenfalls nicht, was zur endgültigen Absage führte. Die Entscheidung markiert eine bedeutende Wende in Infantinos Strategie und zeigt die tiefen Spaltungen innerhalb der globalen Fußballwelt über die Finanzierung und Führung des Sports.