Der Iran-Krieg hat eine dominante Investorenstrategie gestört, wodurch asiatische Aktien stark abgesackt sind. Sorgen um Ölpreise und Inflation bedrohen die wirtschaftliche Ausrichtung der Region. Der MSCI Asia Pacific Index ist in dieser Woche um 6 % gefallen, was einen Umkehrpunkt in den Kapitalflüssen nach Asien signalisiert und zugleich einen Rückzug in Richtung der USA als sicheren Hafen zeigt.

Ölpreise und geopolitische Risiken

Der Anstieg der Brent-Rohölpreise hat die Angst vor Inflation verstärkt und Unsicherheit unter Investoren ausgelöst. Asiatische Märkte, die historisch von KI-gestütztem Wachstum und günstigen Bewertungen profitiert haben, stehen nun erneut unter Druck. Südkorea und Taiwan, die letztes Jahr überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben, sehen nun Gewinne abfließen, da Investoren nach sichereren Anlagen suchen.

„Kapital wartet nicht auf Sicherheit — es rotiert bereits, und die Stärke des Dollars in dieser Woche zeigt Ihnen, wohin das intelligente Geld geht“, sagte Hebe Chen, Senior Market Analyst bei Vantage Global Prime. „China, Japan, Korea und Taiwan sind reine Importabhängige ohne Puffer, wodurch dieser Ölshock für die Region exponentiell schädlicher ist als für den Westen.“

Regionale Exposition und wirtschaftliche Verwundbarkeiten

Japan und Südkorea sind besonders verwundbar, da sie stark von Ölimporten über den Hormuzschlitz abhängig sind, durch den ein großer Teil ihrer Importe verläuft. Im Gegensatz dazu hat China Zugang zu russischem Rohöl und größere Reserven, was Schutz vor potenziellen Lieferengpässen bietet.

„Japan und Südkorea könnten unter zusätzlichem Druck geraten, da über 60 % ihrer Ölimporte über den Hormuzschlitz transportiert werden“, sagte Alicia Garcia-Herrero, Chief Economist für Asien-Pacific bei Natixis SA. „Der wirtschaftliche Einfluss auf Asien reicht über Öl hinaus und betrifft Mobilität, Bauwesen, Finanzen und Verteidigung.“

Bloomberg Economics weist darauf hin, dass asiatische Volkswirtschaften wie China, Indien und Indonesien zu den größten Ölimporten der Welt zählen. Laut Goldman Sachs könnte ein 20 %iger Anstieg der Brent-Rohölpreise die regionale Gewinnspanne um 2 % verringern.

Veränderung im Kapitalfluss und Marktreaktionen

Der aktuelle Abverkauf spiegelt die Marktreaktionen nach der Invasion der Ukraine im Jahr 2022 wider, wobei ein stärkerer Dollar und enge Finanzbedingungen die asiatischen Märkte beeinflussen. Investoren erwarten nun etwa 50 Basispunkte Zinserhöhung durch die Bank of Korea in den nächsten 12 Monaten, was von 25 Basispunkten zuvor abweicht.

„Die fehlende Unterstützung durch expansive Geldpolitik wird negativ für Aktien wirken“, sagte Rajeev de Mello, Global Macro Portfolio Manager bei Gama Asset Management. „Die Stimmung unter Anlegern aus Entwicklungsländern war sehr optimistisch und könnte sich ebenfalls umkehren.“

Trotz des kürzlichen Rückgangs führt der MSCI Asia Pacific Index den S&P 500 in diesem Jahr um 7 Prozentpunkte, was darauf hindeutet, dass weitere Abgänge aus überbelegten Positionen bevorstehen könnten. Ausländische Investoren verkaufen nach Bloomberg-Daten 6,3 Milliarden Dollar an taiwanesischen Aktien in den ersten drei Tagen der Woche.

„Der aktuelle Abverkauf in Asien wird durch eine Kombination von Ereignissen getrieben, nicht nur durch geopolitische Risiken“, sagte Elfreda Jonker, Client Portfolio Manager bei Alphinity Investment Management. „Einige asiatische Märkte, wie Südkorea, sind derzeit besonders verwundbar, bedingt durch den jüngsten starken Aufschwung und die damit verbundenen hohen Bewertungen.“

Trotz des kürzlichen Rückgangs haben asiatische Aktien weiterhin Potenzial zur Erholung, doch die anhaltenden geopolitischen Spannungen und steigenden Ölpreise schaffen ein schwieriges Umfeld. Analysten erwarten, dass die wirtschaftliche Resilienz der Region in den nächsten Monaten auf die Probe gestellt wird, während sich globale Nachfrage- und Lieferdynamiken weiter entwickeln.