Der mexikanische Influencer César Gastélum wurde am Dienstag während eines TikTok-Live-Streams in Culiacán, Sinaloa, erschossen. Er war 25 Jahre alt und hatte über 500.000 Follower. Der Angriff geschah vor einem Fast-Food-Restaurant in einem von Drogenkartellen geplagten Stadtteil. Gastélum streamte mit zwei Freunden, als zwei Männer auf einem Motorrad kamen und einer von ihnen direkt auf ihn schoss. Das Video wurde später vom Netz genommen, aber Bilder und Clips des Angriffs verbreiteten sich weiter im Internet.

Gewalt gegen Influencer in Mexiko

Dies ist nicht der erste Mord an einem Social-Media-Influencer in Mexiko. Im vergangenen Jahr wurde die 23-jährige Valeria Márquez während eines TikTok-Live-Streams in einem Friseursalon in Zapopan, Jalisco, erschossen. Sie befand sich gerade dabei, ein Paket abzugeben, als ein Mann in den Salon kam und zweimal auf sie schoss, ins Brust- und Kopfgebiet. Márquez stürzte vor der Kamera zusammen und starb an der Unfallstelle.

Laut der Staatsanwaltschaft Jalisco wird der Angriff auf Márquez als möglicher Femicidio untersucht. Der Verdächtigte betrat den Salon unter dem Vorwand, ein Geschenk auszuliefern. Während des Live-Streams äußerte sich Márquez besorgt: „Vielleicht sind sie gekommen, um mich umzubringen. Mich zu entführen, oder was? Ich bin beunruhigt.“ Der Verdächtigte wurde als Mann beschrieben, der sich als Zusteller ausgab und von Ermittlern als angeheuertes Attentäter vermutet wird.

Kartellrivalitäten und steigende Gewalt

Culiacán, wo Gastélum getötet wurde, war seit September 2024 ein Brennpunkt von Gewalt, als sich innerhalb des Sinaloa-Kartells – Los Chapitos und La Mayiza – zerstritten. Der Stadtteil hat seitdem einen Anstieg an gezielten Tötungen verzeichnet, darunter eine Dutzend Influencer, einige mutmaßlich in Verbindung mit kriminellen Banden, die in den letzten Jahren in Mexiko getötet wurden, berichten lokale Medien.

El Gordo Peruci, ein weiterer Influencer, der im Dezember 2024 erschossen wurde, war angeblich mit kartellbedingten Spannungen verbunden. Im Juli kündigte die Polizei die Festnahme von Ramon Angel Alvarez Ayala an, der sowohl mit dem Mord an Márquez als auch mit dem Mord an Carlos Manzo, dem Bürgermeister von Uruapan im November 2025, in Verbindung stand, teilte Reuters mit.

Die Gewalt in der Region eskaliert immer wieder. In Zapopan, wo Márquez getötet wurde, wurde kurz nach ihrem Tod auch ein ehemaliger Abgeordneter der PRI-Partei, Luis Armando Córdova Díaz, in einem Café erschossen. Laut UN-Daten sterben täglich etwa zehn Frauen oder Mädchen in Mexiko.

Öffentliche Reaktion und laufende Ermittlungen

Der Mord an Gastélum schockierte lokale und nationale Zuschauer, insbesondere wegen der Sichtbarkeit des Angriffs. Auf sozialen Medien drückten Fans Trauer und Unglauben aus. Ein Nutzer schrieb: „Ich hatte die Chance, sie persönlich zu treffen, eine Person mit sehr schöner Energie. Ich bin immer noch geschockt. Ich kann nicht glauben, dass ich sie nie wieder [Live-Stream] sehen werde.“, teilte eine übersetzte Instagram-Postung mit.

Polizei und Spurensicherung sperrten die Tatortstelle ab, wo Gastélum getötet wurde, und sammelten Beweise wie Patronenhülsen und Überwachungsvideos. Es gab keine Festnahmen, und die beiden Männer auf dem Motorrad flohen von der Stelle. Unklar ist, ob Gastélum vor dem Angriff Bedrohungen erhalten hatte. Auf seinem Instagram-Account teilte er oft Reisebilder, Selfies mit Luxusautos und Posts an den Grabstätten anderer Influencer.

Die Ermittlungen zu den Morden an Gastélum und Márquez laufen weiter. Die Staatsanwaltschaft Jalisco teilte mit, dass sie die Möglichkeit gezielter Angriffe untersuche, insbesondere im Licht der regionalen Geschichte kartellbedingter Gewalt und Mordfälle an Influencern. Beide Fälle zeigen die zunehmenden Gefahren, denen Prominente in Mexiko ausgesetzt sind, wo eine Social-Media-Präsenz Individuen extremen Risiken aussetzen kann.