UEFA, AFC und CONCACAF haben gemeinsam eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie FIFA-Präsident Gianni Infantino scharf kritisieren. Laut Al Jazeera und channelstv.com beklagen die Konföderationen, dass Führung im Fußball kein Privileg sei, das zum persönlichen Vorteil genutzt werden könne. „Wenn Vertrauen durch Betrug zerstört wird und eine Person sich über die Gemeinschaft erhebt, der sie vertraut wurde, dann hat sie ihre Pflicht verlassen“, hieß es in der Erklärung.
Forderung nach unabhängiger Prüfung
Die drei Konföderationen fordern eine vollständig unabhängige Prüfung des Vorschlags zur Beteiligung an der Weltmeisterschaft, an der die FIFA nicht beteiligt sein dürfe. Sie bezeichneten die Situation als „tiefgreifenden Fehlschlag im Urteilsvermögen“. In der Stellungnahme betonten sie abschließend, dass die Einheit im Fußball entscheidend sei: „Die Stärke des Fußballs war und ist immer seine Einheit.“
Kritik an Notversammlung
Die Konföderationen kritisierten zudem eine Notversammlung der FIFA in Marokko letzte Woche. Sie stellten fest, dass nur ein gewählter Funktionär anwesend war, und fragten die Transparenz und Inklusivität des Prozesses in Frage. Norwegens Fußball-Präsidentin Lise Klaveness, eine mögliche Kandidatin für Infantinos Nachfolge, forderte ihn laut Al Jazeera auf, sich sofort zurückzuziehen.
Unterstützung für Infantino
Trotz der Kritik hat Infantino Unterstützung von der Confederation of African Football (CAF) sowie südamerikanischen Ländern wie Argentinien, Paraguay, Ecuador und Bolivien erhalten. CAF veröffentlichte am Donnerstag eine Erklärung im Namen seiner 54 Mitglieder, in der Infantino unterstützt wird. Auch Mexiko, ein Mitglied von CONCACAF, unterstützte Infantino, genauso wie zwei AFC-Mitglieder – Kuwait und Katar, in dem Infantino ein Haus besitzt.
Trotz der inneren Spaltung gelang es Infantino, Unterstützung bei den sechs Konföderationen zu gewinnen, die die FIFA bilden. Der 56-jährige Schweizer Amtsträger, der seit zehn Jahren im Amt ist, strebt eine vierte und letzte Amtszeit im FIFA-Präsidentschaftswahlkampf im März in Rabat an. Kandidaturen müssen bis zum 18. November angemeldet werden, wie channelstv.com berichtet.
Infantinos Privatisierungsplan war zuvor zurückgezogen worden, nachdem die UEFA gedroht hatte, die Weltmeisterschaften zu boykottieren, was zu einem Verlust von Mannschaften wie dem aktuellen Männerweltmeister Spanien und den Halbfinalisten Frankreich und England geführt hätte. Dieser Druck erwies sich als entscheidend für Infantinos Entscheidung, den Plan zurückzunehmen. Vorher war er bei der Wiederwahl unangefochten geblieben, nachdem die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada erfolgreich verlaufen war.
Trotz des Abbruchs des Projekts kritisierten die Konföderationen Infantino weiterhin wegen fehlender Urteilsfähigkeit. Sie bezeichneten den ursprünglichen Plan als „schäbige, undurchsichtige, hinter verschlossenen Türen abgeurteilte Angelegenheit“.
Kommentare
Noch keine Kommentare
Be the first to share your thoughts