Am Wahlabend 2026 in Sachsen-Anhalt hat die AfD laut dem ZDF-»Politbarometer« einen deutlichen Vorsprung erzielt. Laut der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Senders kommt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf 41 Prozent, ein Punkt mehr als vor einer Woche. Die regierende CDU von Ministerpräsident Sven Schulze bleibt bei 23 Prozent — Die Umfrage, die vom 1. bis 3 — September 2026 durchgeführt wurde, ist nach Angaben des ZDF repräsentativ. Der Fehlerbereich beträgt für 40 Prozent gut drei Punkte in beide Richtungen.

AfD verfehlt absolute Mehrheit

Laut der Forschungsgruppe Wahlen würde die AfD bei einem Wahlergebnis wie in der Umfrage ihr Ziel verfehlen, alleine zu regieren; Mit 39 Sitzen fehlen der Partei drei Sitze für eine absolute Mehrheit im Landtag. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine alleinige Regierung der AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Aktuell regiert ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP.

Wahlausgang als Test für Bundespolitik

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zieht bundesweite Aufmerksamkeit auf sich, obwohl das Bundesland nur gut drei Prozent der Wahlberechtigten Deutschlands umfasst, as Es geht darum, ob erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine als rechtsextrem eingestufte Partei auf Landesebene an die Macht kommt. Für die CDU gibt es drei mögliche Szenarien: Entweder die CDU schneidet jenseits der AfD am besten ab und bildet mit SPD und Grünen eine Regierungsmehrheit, oder die AfD erringt eine absolute Mehrheit und bildet eine Alleinregierung. Letzteres gilt aus Sicht der Regierungsparteien als Katastrophe. Ein solches AfD-Beben könnte den Zusammenhalt der schwarz-roten Koalition in Berlin stärken, aber für die CDU die bittersten Wahlniederlagen seit 2021 bedeuten.

Wirtschaftliche und politische Auswirkungen

Experten warnen vor langfristigen wirtschaftlichen Risiken im Falle eines AfD-Wahlsiegs. Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen hält „teils deutliche Änderungen“ in der Bildungs-, Kultur- und Rundfunkpolitik für möglich. Wirtschaftliche Folgen dürften sich erst mittel- bis langfristig zeigen. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), nennt das Ergebnis ein „Misstrauensvotum gegenüber der Bundesregierung“ und fordert tiefgreifende Reformen. Der Chefvolkswirt der Großbank ING, Carsten Brzeski, sieht den Wahlausgang als Teil eines längerfristigen Trends und warnt, stabile Koalitionen würden „immer schwieriger“.

Die künftige Fraktion des BSW will sich im dritten Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten enthalten. Das kündigte Spitzenkandidat Thomas Schulze im Deutschlandfunk an. Dann wäre gewählt, wer die meisten Stimmen erhält – es reicht eine einfache Mehrheit. Sollte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund antreten, könnte die Enthaltung ihm den Weg ins Amt erleichtern. „Wir werden uns an einer Brandmauer-Koalition nicht beteiligen“, sagte Schulze. Zugleich will das BSW einen überparteilichen Kandidaten aus Sachsen-Anhalt vorschlagen und „zeitnah“ eine Person benennen.