OSLO – Visma AS, ein führender norwegischer Softwareanbieter, erwägt, seinen Börsengang am Londoner Stock Exchange auf das zweite Halbjahr dieses Jahres zu verschieben — Der Verzögerung liegt ein harter Marktrutsch zugrunde, der Technologieaktien schlägt, berichtete Bloomberg News im letzten Monat.
Der Druck auf Softwareunternehmen hat sich seitdem verschärft. Händler fürchten, dass künstliche Intelligenz nicht nur reine Tech-Unternehmen, sondern auch Branchen wie Reise-Technologie und Finanzdienstleistungen umstürzen könnte. Aktien in diesen Bereichen sind eingebrochen, während Investoren die disruptiven Potenziale von KI bewerten.
Visma hatte ursprünglich einen Börsengang im ersten Halbjahr am Londoner Stock Exchange geplant. Das Unternehmen, das Unternehmen in Nordeuropa mit Buchhaltungs- und Lohnsoftware versorgt, erzielt jährliche Umsätze von über 2 Milliarden Euro. Doch ein breiter Verkaufsschub bei High-Growth-Technologie-Unternehmen hat die Stimmung getrübt. Europäische Softwareaktien sind in den letzten 30 Tagen um mehr als 20 % gefallen, unter anderem durch US-Giganten wie Nvidia und Ängste vor Überbewertung.
Der Schmerz breitete sich rasch aus. Amadeus IT Group, ein spanischer Reise-Technologie-Leader, sah seine Aktien um 15 % in einer Woche fallen. Intercontinental Exchange, Betreiber der New York Stock Exchange, verlor an Wert, während sich Fragen um die Rolle von KI in Handel und Datenverarbeitung stellten. Selbst traditionelle Finanzvermittler spürten den Druck, da Algorithmen den Hintergrundprozesse automatisieren versprechen.
Der IPO-Markt in Europa, der bereits inaktiv war, wendet sich nun so genannten alten Wirtschafts-Unternehmen zu. Unternehmen in der Fertigung, Energie und Konsumgüter ziehen Investoren an, als sichere Zuflucht. Atlas Copco, ein schwedischer Industrie-Werkzeughersteller, verkaufte letzte Woche einen Aktienverkauf von 1,2 Milliarden Euro in Stockholm zu einem Aufschlag. Das deutsche Chemieunternehmen Covestro startete einen 1,65 Milliarden Euro-IPO in Frankfurt, um die Nachfrage nach stabilen Erträgen über spekulative Technologie zu nutzen.
„Investoren verlangen Vorhersehbarkeit“, sagte ein in London ansässiger Vermögensverwalter. „Die KI-Hype führte zu einer Blase. Jetzt suchen sie nach Erträgen, die nicht über Nacht verschwinden.“ Daten von Dealogic zeigen, dass die IPO-Volumina in Europa bislang um 40 % gesunken sind, mit Tech-Deals fast zum Stillstand gekommen.
Visma ist nicht allein bei der Neubewertung seiner Pläne. Sinch AB, ein schwedischer Anbieter von Nachrichtensoftware, stellte seine Ausweitungspläne nach einem 30 % Rückgang seiner Aktien ein. Netcompany aus Dänemark, frisch aus einem IPO im Jahr 2021, handelt 50 % unter seinem Hoch. Diese Rückschläge unterstreichen Europas Schwierigkeiten, einen Tech-Champion aufzubauen, während die USA in der KI führend sind.
Regulierer beobachten genau. Das digitale Märkte-Gesetz der Europäischen Kommission zielt darauf ab, die Macht großer Technologieunternehmen einzudämmen, doch Start-ups leiden unter Kapitalflucht. Banker bemerken, dass Londons Anziehungskraft trotz Brexit besteht – die Börsengänge in diesem Jahr 5 Milliarden Dollar einbrachten, was Paris und Amsterdam zusammen übertrafen.
Für Visma ändert sich die Rechnung. Ein späterer Börsengang könnte bei stabileren Märkten einen höheren Bewertung erzielen. Das Unternehmen, das von dem privaten Equity-Giganten HgCapital unterstützt wird, meldete letztes Jahr einen Umsatzwachstum von 20 %. Dennoch wiegen die Risiken. „Zeitpunkt ist alles“, sagte ein Berater, der eng mit dem Deal zusammenarbeitet.
Die breiteren Märkte spiegeln die Unruhe wider. Der STOXX Europe 600 Technology Index fiel in sechs Wochen um 12 %. Analysten von Goldman Sachs senkten die Kursziele für eine Dutzend Softwareunternehmen, aufgrund von Risiken durch die Kommoditisierung von KI. JPMorgan warnte, dass 30 % der Unternehmenssoftware-Jobs bis 2027 automatisiert werden könnten.
Alte Wirtschafts-IPOs füllen die Lücke. Equinor in Norwegen plant eine Trennung seiner Erneuerbaren-Einheit. UniCredit in Italien bringt Bond-ähnliche Hybridprodukte auf den Markt. Diese Schritte signalisieren eine Erholungsstrategie: auf physische Vermögenswerte statt auf intangible Code setzen.
Das Schicksal von Visma unterstreicht den Wechsel. Einst ein Vorbild für nordische Tech-Ambitionen, navigiert es jetzt die lange Schatten der KI. Ein Börsengang im zweiten Halbjahr bietet Atemraum. Doch mit hohem Volatilität ist nichts sicher.
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