NEW YORK — Ärzte dürfen nicht bei staatlichen Hinrichtungen mitwirken, auch nicht durch Sedierung zur Linderung von Leiden bei Giftspritzen. Das erklären führende US-Ärzteverbände.

Dr. Keith Roach beantwortete die Frage in seiner syndizierten Ratgeberrubrik. Leser A.D.D. hatte auf Berichte über Todeszelleninsassen verwiesen, die bei fehlgeschlagenen Hinrichtungen Minuten lang litten. A.D.D. fragte, ob tiefe Sedierung vor der Giftspritze medizinisch vertretbar sei.

„Obwohl ich von den Berichten über Leiden auf der Todeszelle entsetzt bin, ist es für Ärzte unethisch, an staatlich angeordneten Tötungen teilzunehmen“, schrieb Roach. „Die Aufgabe eines Arztes ist zu heilen.“

Roach warnte vor dem Setzen von Infusionsnadeln, dem Verabreichen tödlicher Mittel oder dem Rat zu Hinrichtungsmethoden. Auch zur Schmerzlinderung sei das verboten. Er berief sich auf Positionen der American Medical Association (AMA), American Psychiatric Association (APA) und American College of Physicians (ACP).

Die Verbände lehnen medizinische Beteiligung an der Todesstrafe seit Langem ab. Der Ethik-Kodex der AMA von 2017 verbietet jede Rolle, einschließlich Überwachung von Vitalparametern oder Feststellung des Todes. Das widerspreche dem hippokratischen Prinzip „nihil nocere“, erklärten die Verbände.

Giftspritzen stoßen in US-Staaten wie Alabama, Ohio und Texas auf Kritik. 2018 litt Häftling Doyle Lee Hamm in Alabama stundenlang bei missglückten Infusionsversuchen. Er starb Tage später an anderen Ursachen. Die Hinrichtung von Ronald Smith in Ohio 2017 dauerte 26 Minuten mit Vorwürfen anhaltenden Bewusstseins und Schmerzes. Bundesgerichte stoppten mehrmals Verfahren wegen Verstoßes gegen den Achten Verfassungszusatz.

Befürworter medizinischer Mitwirkung argumentieren, ärztliche Aufsicht könne humane Abläufe sichern, ähnlich wie bei Operationen. Mediziner kritisieren, dies untergrabe das Vertrauen in den Berufsstand. Eine Umfrage des Journal of the American Medical Association von 2020 ergab: 87 Prozent der Ärzte halten direkte Beteiligung für unethisch.

27 US-Staaten haben die Todesstrafe. 2023 fanden laut Death Penalty Information Center 24 Hinrichtungen statt, weniger als in den 1990er-Jahren. 13 Staaten erlauben nur Giftspritzen, andere auch Stromstuhl, Gas oder Erschießung.

Roachs Kolumne vom 6. Februar 2026 erschien über King Features Syndicate, unter anderem auf syracuse.com. Als Associate Professor an der Weill Cornell Medicine berief er sich auf seine Expertise. Er lud zu E-Mails an [email protected] ein.

Der Fall zeigt Spannungen zwischen Medizinethik und Strafjustiz. Politiker in Nebraska und Tennessee diskutierten Pflichten für Ärzte bei Hinrichtungen. 2024 urteilte Tennessees Supreme Court, Ärzte dürften mitwirken, ohne Eid zu brechen. Große Verbände änderten nichts.

Roachs Antwort unterstreicht den Konflikt: Medizin bewahrt Leben, der Staat fordert effiziente Tötung.