CHATHAM — Ratsmitglieder Marjorie Crew und Michael Bondy gehören nun zum neuen Beratungsgremium zu Obdachlosencamps in Chatham-Kent. Der Rat wählte sie am 9. Februar ohne Abstimmung.

Vier weitere Interessenten unter den Ratsmitgliedern zogen ihre Kandidatur zurück. Das Gremium umfasst zudem Bürger Joseph Vandermeer, Claire McDowell, Renee Geniole, Meghan Bradley, Andrew Thiel und Lynn O’Brien. Ergänzt wird es durch Kim Crew von der Wohnungsverwaltung und Jodi Guilmette von der Gesundheitsabteilung.

Das Gremium entstand nach Diskussionen im November. Damals verlagerte die Gemeinde ein Obdachlosencamp aus der Innenstadt auf eine Grünfläche nahe der Wasseraufbereitungsanlage an der Grand Avenue East. Anwohner und Unternehmer klagten über zunehmenden Drogenkonsum und Kriminalität.

Die Aufgabenbeschreibung fordert Mitglieder mit Erfahrung aus der Obdachlosigkeit. Vertreten sein sollen auch die Northside Neighbours Association und Anwohner am neuen Standort. Das Gremium soll Stimmen der Betroffenen ausbalancieren und Transparenz schaffen, hieß es.

„Das Gremium wird Entscheidungen zur Camp-Verwaltung leiten“, erklärte Kommunikationskoordinator Eric Labadie per E-Mail. Die Mitglieder planten ein erstes Treffen zur Agenda-Erstellung. Der Rat soll regelmäßige Berichte erhalten, teilte Labadie mit.

Crew vertritt seit 1998 Ward 7. Bondy sitzt seit 2003 für Ward 5 im Rat. Beide unterstützten die Gründung des Gremiums in früheren Debatten.

Die Verlagerung folgte Monaten der Spannungen in der Innenstadt. Das ursprüngliche Camp wuchs auf Dutzende Zelte. Es belastete Unterkünfte und Dienste. Die Stadtverwaltung begründete den Umzug mit Gesundheits- und Sicherheitsrisiken. Der neue Standort bietet mehr Platz und Zugang zu Helfern.

Anwohner am neuen Ort blieben skeptisch. Dutzende besuchten im November Ratssitzungen. Sie berichteten von offener Drogenhandel und Bränden. Joseph Vandermeer, Präsident der Northside Neighbours Association und nun Gremiumsmitglied, leitete viele Klagen.

Chatham-Kent mit rund 106.000 Einwohnern kämpft inmitten der Wohnungsnot in Ontario mit Obdachlosigkeit. Provinzdaten zeigen einen Anstieg der Notunterkünfte um 20 Prozent im vergangenen Jahr. Das Gremium ist eine der ersten formellen Antworten mit Beteiligung von Politik und Bürgern.

Guilmettes Abteilung überwacht die Camp-Betreuung. Ihr Team führt tägliche Wohlfahrtschecks durch und vermittelt Entzug und psychische Hilfe. Kim Crews Wohnungsabteilung betreibt Übergangsunterkünfte bei knapper Kapazität.

Der Rat billigte die Struktur des Gremiums am 9. Februar einstimmig. Bürgermeister Darrin Canniff lobte die Zusammensetzung. „Diese Gruppe spiegelt die Betroffenen wider“, sagte er in der Sitzung.

Der nächste Schritt ist das erste Treffen. Labadie kündigte die Terminversendung in Kürze an. Das Gremium hat keinen festen Zeitrahmen, muss aber bis Juni Ergebnisse vorlegen.

Interessierte verfolgten die Ernennungen genau. Sozialarbeiterin Renee Geniole bewarb sich nach Freiwilligeneinsatz vor Ort. „Erfahrung aus der Obdachlosigkeit zählt hier“, sagte sie nach der Sitzung. Anwohnerin Meghan Bradley stimmte zu. Beide setzten sich gegen Dutzende Bewerber durch.

Das Gremium beschließt keine Politik. Es berät zu Umzugsmöglichkeiten, Lücken in Angeboten und Kommunikation. Der Rat behält die Entscheidungshoheit.

Das Camp an der Grand Avenue East umfasst derzeit etwa 25 Zelte. Winterwetter verringerte die Zahl leicht. Die Behörden erwarten im Frühling einen Anstieg.