Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass es auf der Kreuzfahrt MV Hondius zu einer seltenen Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Hantavirus gekommen ist. Drei Passagiere starben. Der Erreger wird normalerweise von Ratten übertragen. In diesem Fall vermutet die WHO, dass der Virus unter Passagieren mit „sehr engen Kontakten“ an Bord verbreitet wurde.

Kreuzfahrt seit einem Monat unterwegs

Die MV Hondius startete vor etwa einem Monat von Argentinien zu einer Atlantikreise. Derzeit liegt das Schiff vor Kap Verde an der Westküste Afrikas. Der Betreiber Oceanwide Expeditions teilte mit, dass zwei Crewmitglieder, einer aus Großbritannien, einer aus den Niederlanden – nach Erscheinen akuter Atemwegssymptome mit dem Flugzeug in die Niederlande evakuiert werden. Ein mit einem verstorbenen Deutschen in Verbindung stehender Mensch ist ebenfalls für die Evakuierung vorgesehen.

Medizinisches Personal betritt das Schiff

Medizinische Teams aus Kap Verde, unterstützt von der WHO, sind an Bord gegangen, um Verdachtsfälle zu begutachten. Laut WHO-Sprecher Tarik Jasarevic laufen Tests für weitere Passagiere und Crewmitglieder mit Symptomen. Bilder vom Kreuzfahrtschiff zeigen Arbeiter in Schutzanzügen an einem kleineren Boot neben dem Schiff.

149 Menschen aus 23 Ländern befinden sich unter „strengen Vorsichtsmaßnahmen“ an Bord, teilte Oceanwide Expeditions mit. Neben dem Crewmitglied, das evakuiert wird, sind noch 22 weitere Briten an Bord.

„Wir glauben, dass es möglicherweise zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung unter engen Kontakten kam“, sagte WHO-Expertin Dr. Maria Van Kerkhove. Sie fügte hinzu, dass die WHO vermutet, dass die erste Erkrankung vor dem Einsteigen auf dem Schiff erfolgte.

Bestätigte und vermutete Fälle

Laut der neuesten WHO-Meldung wurden sieben Hantavirus-Fälle identifiziert – zwei bestätigte und fünf vermutete. Bei den zwei bestätigten Fällen handelt es sich um eine verstorbenen Niederländerin und einen 69-jährigen britischen Staatsbürger, der nach Südafrika evakuiert wurde. Der Mann der verstorbenen Frau starb ebenfalls, doch sein Fall wurde nicht bestätigt, ebenso wie der Fall des Deutschen, der am 2. Mai starb.

In einer Erklärung sagte die Familie des niederländischen Paares: „Die schöne Reise, die sie gemeinsam erlebten, wurde abrupt und dauerhaft beendet.“ Sie fügten hinzu: „Wir können immer noch nicht begreifen, dass wir sie verloren haben. Wir möchten, dass sie nach Hause gebracht werden und in Ruhe und Privatsphäre gedacht werden.“

Die Ermittler gehen davon aus, dass der in Südamerika vorkommende Andes-Stamm des Virus in den beiden bestätigten Fällen vorliegt. Van Kerkhove betonte, dass es an Bord keine Ratten gebe und dass Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt würden. Betroffene oder Pflegekräfte trugen vollen Schutz.

„Unsere Arbeitshypothese ist, dass es wahrscheinlich verschiedene Arten der Übertragung gibt“, sagte Van Kerkhove am Dienstag im BBC Breakfast. Sie erklärte, dass die Kreuzfahrt mehrere Inseln angelaufen habe, bei denen Rattenpopulationen vorkämen. Der Virus wird normalerweise über Kot, Speichel oder Urin der Ratten verbreitet.

Die WHO teilte mit, dass Spanien der MV Hondius erlaubt hat, in den Kanaren anzulegen, um dort eine Risikobewertung und weitere medizinische Überwachung durchzuführen. Spaniens Gesundheitsministerium hingegen hat Spekulationen, das Schiff aufzunehmen, heruntergespielt.

In einer Erklärung sagte das Ministerium: „Je nach epidemiologischen Daten, die während der Reise vor Kap Verde erhoben werden, wird entschieden, welcher Hafen als nächstes angelaufen wird. Bis dahin wird das Gesundheitsministerium keine Entscheidung treffen, wie wir der WHO bereits mitgeteilt haben.“ Ein Sprecher des spanischen Gesundheitsministeriums sagte der BBC, dass bislang keine Anfrage für einen Halt in den Kanaren eingegangen sei. Allerdings seien die spanischen Behörden bereit, die Situation zu übernehmen, falls sich das ändere. Das würde unter anderem medizinische Betreuung, Analysen und Desinfektion beinhalten. Sie sagten nicht, ob Passagiere an Land gehen dürften.

Obwohl die Passagiere das Schiff noch nicht verlassen können, sagte ein Passagier der BBC am Montag, dass die Stimmung an Bord „ziemlich gut“ sei. „Hoffentlich werden die anderen Patienten an Bord bald getestet, und dann wissen wir, was los ist“, sagte der Passagier, der anonym bleiben wollte. Ein weiterer Passagier, der Reiseblogger Jake Rosmarin, schrieb in einem Social-Media-Post: „Es gibt viele Unsicherheiten, und das ist der schwierigste Teil. Alles, was wir jetzt wollen, ist Sicherheit zu fühlen, Klarheit zu haben und nach Hause zu kommen.“