Während Antonio Guterres am 31. Dezember seine Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen abschließt, blickt die Welt auf die Frage, wer die Organisation künftig leiten wird — Derzeit konkurrieren sechs Kandidaten um die Stelle, wobei die costa-ricanische Diplomatin Louise Fréchette Grynspan als herausragende Bewerberin gilt. Laut The Guardian hat Grynspan bereits zehn ‘Encourage’-Stimmen, vier ‘No Opinion’-Stimmen und eine ‘Discourage’-Stimme erhalten, was ihr eine starke Position im Rennen sichert.

Eine umstrittene Karriere

Der Weg zur Generalsekretärin der Vereinten Nationen ist komplex. Der Sieger wird vom Generalsekretariat auf Empfehlung des Sicherheitsrates gewählt. Dieser besteht aus China, Frankreich, Russland, Großbritannien und den USA, jeweils mit erheblichem Einfluss auf den Prozess. Grynspans engster Wettbewerber ist Carolyn Rodrigues-Burkett, ehemalige UN-Botschafterin Guyanas, die neun ‘Encourage’-Stimmen, zwei ‘Discourage’-Stimmen und vier ‘No Opinion’-Stimmen erhielt. Die Identität der einzigen ‘Discourage’-Stimme gegen Grynspan ist unbekannt. Ein westlicher Diplomat betonte, dass ein Widerstand seitens der Machtblöcke zu einem Stimmengleichgewicht führen könnte.

Laut The Guardian hat Grynspan auch die stillschweigende Unterstützung von Guterres, der seine zweite und letzte Amtszeit abschließt. Diese Unterstützung könnte ihr im Prozess, der voraussichtlich im Oktober endet, Vorteile verschaffen. Allerdings steht die Legitimität des Multilateralismus unter Druck, da die UNO derzeit um 20 Prozent Personal abbauen muss und ihre Rolle als Vermittler von anderen globalen Akteuren übertroffen wird.

Eine historische Chance

Wenn Grynspan gewählt wird, würde sie Geschichte schreiben, als erste jüdische Generalsekretärin der Vereinten Nationen. Ihre jüdische Herkunft ist ein zentraler Bestandteil ihres Wahlkampfes. Grynspan betont, dass Frieden der Schlüssel zu ihrem Leben war. Ihre Eltern waren Flüchtlinge aus dem Zweiten Weltkrieg, und sie erklärte vor der Generalversammlung der UNO: ‘Frieden war es, der es meinen Eltern ermöglichte, in einem kleinen Land wie Costa Rica Achtung und Würde zu finden. Ich bin das Kind dieses Friedens, ein Beweis dafür, was Frieden möglich macht.’

Grynspans Schwester zog im Alter von 17 Jahren nach Israel, um Chemie an der Hebräischen Universität zu studieren. Die UNO wird kritisiert, sich zu sehr auf Israel zu konzentrieren, doch Grynspan nutzt ihre persönliche Geschichte, um für ein Ende des Konflikts und die Wiederherstellung der ursprünglichen Mission der Organisation einzutreten – den globalen Frieden zu fördern.

Ein Feld starker Kandidaten

Mit Michelle Bachelet, der ehemaligen Präsidentin von Chile, ist eine weitere starke Bewerberin im Rennen. Bachelet, die von 2018 bis 2022 Hohe Kommissarin der UNO für Menschenrechte war, betont die Bedeutung der Geschlechterrepräsentation in der Funktion. Sie sagte, sie habe keine ‘Zaubereformel’, um die Probleme des Sicherheitsrates zu lösen, doch ihre Erfahrung sei ein entscheidender Vorteil. Laut DW hat Bachelet bereits 2016 gesagt, die Welt sei möglicherweise noch nicht bereit für eine weibliche Generalsekretärin gewesen, doch sie hoffe, dass dies jetzt anders sei.

Da die Debatte über die Zukunft der Vereinten Nationen andauert, sind die Erwartungen hoch. Die nächste Generalsekretärin wird eine komplexere und herausforderndere Rolle übernehmen müssen, als je zuvor. Die Kandidaten haben die Möglichkeit, ihre Visionen vor der Generalversammlung zu präsentieren, wobei die endgültige Entscheidung voraussichtlich im Oktober fallen wird.