Die schwedischen Wahlen haben ein stark umkämpftes und enges Ergebnis geliefert. Nach ersten Schätzungen führt die linke Liste mit 176 Sitzen, gegenüber 173 für die rechte Liste, die von Ulf Kristersson angeführt wird, berichten BBC und DW. Keine großen Medien haben einen Sieger ermittelt. Der endgültige Ausgang wird erst am Mittwoch bestätigt, nachdem vorab abgegebene und Übersee-Stimmen in die Auszählung einfließen.

Unsicherer Weg zur Mehrheit

Schweden nutzt ein Verhältniswahlsystem. Parteien müssen mindestens 4 % der Stimmen erreichen, um in den Riksdag einzuziehen. Mit 94 % der Stimmen gemeldet führt die linke Liste derzeit knapp, doch das Endergebnis bleibt unsicher. Der Auszählungsprozess wird am Mittwoch fortgesetzt, um spät abgegebene vorab abgegebene Stimmen und Übersee-Stimmen zu berücksichtigen, berichtet BBC.

Ulf Kristersson, Chef der Moderaten, räumte die Unsicherheit in einer Rede am Montagmorgen gegenüber Unterstützern ein. „Die Wähler haben ihre Meinung kundgetan, doch wir haben noch kein endgültiges Ergebnis. Welche Regierung Schweden in den kommenden Jahren leiten wird, ist noch immer eine offene Frage“, sagte er, wie BBC berichtet. Kristersson kündigte an, sich an andere Parteichefs wenden zu wollen, um mögliche Koalitionsverhandlungen zu starten, wie DW meldet.

Wichtigkeit der Leistung der Schwedischen Demokraten

Die größte Überraschung der Nacht war die enttäuschende Leistung der Schwedischen Demokraten (SD), der rechte Partei, die sich auf anti-immigrante und Kriminalitätspolitik konzentrierte. Anders als in Deutschland, wo die meisten Parteien eine Zusammenarbeit mit der rechten Partei ausschließen, hatte Kristersson versprochen, der SD bei einem Sieg Schlüsselpositionen im Kabinett zu gewähren, darunter das Amt des Migrationsministers für SD-Chef Jimmie Akesson, wie DW berichtet. Doch die Unterstützung für die SD sank gegenüber der Wahl 2020, was das erste Mal seit der Gründung der Partei im Jahr 2010 bedeutet, dass sie an Zustimmung verloren hat, wie DW meldet.

Gegründet von Nazisympathisanten in den 1980er Jahren, war die SD lange Zeit geächtet. 2022 wurde die Partei zur zweitgrößten in Schweden. Die aktuelle Leistung deutet jedoch auf eine Veränderung der Wählermeinung oder auf eine erfolgreiche Kampagne der Zentrum-Linken hin, berichtet BBC.

Möglichkeit einer neuen Regierung

Magdalena Andersson, Chef der Sozialdemokraten, bat ihre Anhänger, auf das Endergebnis zu warten. Sollte der aktuelle Vorsprung anhalten, sagte sie, „wird Schweden eine neue Regierung haben“, wie BBC meldet. Anderssons Partei war seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine dominierende Kraft in der schwedischen Politik, doch die Schätzungen deuten auf nur 28 % der Stimmen, was das schlechteste Ergebnis in über einem Jahrhundert wäre, wie DW berichtet.

Schweden hat zwei große politische Blöcke, jeder besteht aus vier Parteien, wodurch Koalitions- und Minderheitsregierungen relativ verbreitet sind. Das Verhältniswahlsystem sorgt dafür, dass keine Partei wahrscheinlich eine Mehrheit gewinnt. Der endgültige Ausgang hängt davon ab, wie die vorab abgegebenen und Übersee-Stimmen verteilt werden, berichtet BBC.