Die Nachrichtenagentur Der Spiegel berichtet, dass Cyberkriminelle das Messaging-App-Signal auf dem Handy der deutschen Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gehackt haben. Klöckner ist eine der Opfer eines Phishing-Angriffs, der sich auf Signal konzentrierte, eine beliebte Nachrichten-App, die von europäischen Politikern für sichere Kommunikation genutzt wird.
Methodik und Ziele des Cyberangriffs
Der Angriff erfolgte über eine Phishing-Kampagne, bei der Hacker sich als gefälschter Signal-Support-Bot ausgaben, um Nutzer dazu zu bringen, ihre PIN-Nummern preiszugeben. Laut Der Spiegel betraf der Angriff zumindest einen weiteren CDU-Abgeordneten und eine Signal-Gruppe, in der Bundeskanzler Friedrich Merz und Mitglieder des CDU-Vorstands kommunizieren. Die deutsche Inlandsgeheimdienststelle und europäische Cybersecurity-Agenturen hatten bereits vor solchen Angriffen gewarnt. Die Europäische Kommission empfahl seit 2020, Signal zu nutzen.
Deutschland vermutet, dass Russland hinter den Angriffen steht, wie Regierungsquellen gegenüber Der Spiegel bestätigten. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte: „Diese Angriffe werden wahrscheinlich von einem staatlich unterstützten Cyberakteur durchgeführt. Die aktuellen Informationen zeigen, dass die Kampagne aktiv bleibt und sich ausbreitet.“
Julia Klöckners politische Rolle und Hintergrund
Julia Klöckner wurde am 25. März 2025 zur Präsidentin des Deutschen Bundestags gewählt. Sie ist die vierte Frau auf dieser Position und vertritt die konservative Christlich Demokratische Union (CDU). Klöckner wurde erstmals 2002 in den Bundestag gewählt. Als Präsidentin leitet sie die Parlamentsdebatten, setzt die Tagesordnung und sorgt für Ordnung im Parlament. Ihre Rolle ist die zweitwichtigste in Deutschland nach dem Bundespräsidenten und vor der Kanzlerin und dem Bundesratspräsidenten.
Klöckner wurde am 16. Dezember 1972 in Bad Kreuznach geboren und wuchs auf dem Weingut ihrer Familie am Nahe-Fluss auf. Sie ist seit über zwei Jahrzehnten eine prominente politische Figur und hat verschiedene Ministerämter bekleidet, darunter das Amt der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft von 2017 bis 2021.
Politische Initiativen und Kontroversen
Im Jahr 2022 leitete Klöckner als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft die Einführung strengerer Tierwohl-Richtlinien. Dazu gehörten Vorschriften, die verlangten, dass Hunde-Besitzer täglich mindestens vier Stunden mit ihren Tieren verbringen, zweimal täglich mindestens eine Stunde spazieren gehen und kommerzielle Zucht eingeschränkt wird. Die Nicht-Einhaltung dieser Vorschriften kann mit Geldstrafen oder sogar mit Gefängnis bestraft werden.
Klöckner spielte zudem eine zentrale Rolle bei der Abschaffung der Schlachtung männlicher Küken in der Eierindustrie, ein umstrittenes Verfahren, bei dem männliche Küken kurz nach der Schlupf getötet werden. Im Januar 2022 kündigte sie an, dass Deutschland der erste Staat werden würde, der dieses Verfahren bis 2022 verbietet, wobei eine neue Technologie der deutschen Firma Seleggt eingesetzt wird, um das Geschlecht von Eiern vor der Schlupf zu bestimmen.
Die Bundestagsverwaltung hat sich bislang nicht zu dem jüngsten Cyberangriff geäußert, da sie generell keine Informationen über Sicherheitskritisches bereitstellt. Die CDU hat bislang keine Anfragen zu dem Vorfall beantwortet.
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