Perus ehemaliger Präsident Ollanta Humala ist in einem Korruptionsfall freigesprochen worden. Ein 15-jähriges Gefängnisurteil wurde aufgehoben, wie BBC berichtet. Die Anklage lautete, dass Humala und seine Ehefrau 3 Millionen Dollar von der brasilianischen Baufirma Odebrecht erhalten hätten, um seine Präsidentschaftskampagne 2011 zu finanzieren. Zudem wurden sie beschuldigt, 200.000 Dollar von dem verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez für seine Wahlkampagne 2006 erhalten zu haben. Das Paar bestreitet die Vorwürfe und spricht von politischer Verfolgung.
Hintergrund zu Humala und seiner politischen Karriere
Ollanta Humala, ehemals Offizier der peruanischen Armee, erlangte erstmals nationale Aufmerksamkeit im Jahr 2000, als er einen kurzfristigen militärischen Aufstand gegen damaligen Präsidenten Alberto Fujimori führte. 2006 kandidierte er auf einer Plattform, die von der sozialistischen Revolution Venezuelas inspiriert war. Nach einer ersten Niederlage trat er 2011 mit einer moderateren Plattform erneut an, diesmal im Stil der damaligen Präsidentschaftspolitik Brasiliens unter Luiz Inácio Lula da Silva. Er besiegte die rechte Kandidatin Keiko Fujimori, Tochter von Alberto Fujimori, und war bis 2016 Präsident.
Rechtliche Probleme nach Amtsverlust
Humalas rechtliche Probleme begannen kurz nach seinem Amtsverlust 2016, als die brasilianische Baufirma Odebrecht zugeben musste, hunderte Millionen Dollar an lateinamerikanische Regierungsbeamte und Parteien gezahlt zu haben, um Aufträge zu gewinnen. Perus Staatsanwälte beschuldigten Humala und seine Ehefrau, ebenfalls Millionen von Odebrecht sowie Gelder von Chávez erhalten zu haben. Der Fall war Teil einer umfassenderen Untersuchung zu Odebrechts Einfluss in der Region.
Odebrecht und der größere Skandal
Der Odebrecht-Skandal hat auch andere peruanische Politiker betroffen. Alan García, der 1985 bis 1990 und erneut 2006 bis 2011 Präsident war, beging 2019 Selbstmord, als er kurz vor seiner Verhaftung stand, nachdem er angeklagt worden war, von Odebrecht bestochen worden zu sein. García hatte die Vorwürfe bestritten. Ebenso stand Pedro Pablo Kuczynski, der von 2016 bis 2018 Präsident war, vor Amtsenthebung, nachdem bekannt wurde, dass Odebrecht ihm Millionen gezahlt hatte. Kuczynski betont, dass die Zahlungen nicht illegal gewesen seien. Die Ermittlungen gegen das Odebrecht-Netzwerk laufen weiter.
Obwohl das Urteil gegen Humala auf Berufung aufgehoben wurde, prägt der Skandal weiterhin die politische und rechtliche Landschaft Perus. Der Odebrecht-Fall führte bereits zu Haftstrafen für zahlreiche Politiker und Geschäftsleute in Lateinamerika und legte tief verwurzelte Korruption in der öffentlichen und privaten Sphäre offen. Die aufgehobene Strafe bedeutet nicht das Ende der Aufmerksamkeit, doch sie deutet darauf hin, wie das Gericht politisch sensible Fälle behandelt.
Kommentare
Noch keine Kommentare
Be the first to share your thoughts