Linda Schlesinger erfuhr die Nachricht von einer Mitarbeiterin in ihrem Damenbekleidungsgeschäft Skinnytees in Birmingham, Michigan. Die Angestellte rief sie zum Fernseher, wo die Berichterstattung über das 6:3-Urteil des Supreme-Court lief, das die meisten Trump-Zölle aufhob. Die Erleichterung hielt kaum eine Stunde an.
»Eine der Mitarbeiterinnen sagte: ›Kommen Sie her, das müssen Sie sehen‹«, berichtete Schlesinger. Trump kündigte prompt einen neuen 10-Prozent-Zoll auf alle Importe an, der ab Montag 150 Tage gilt.
Skinnytees bezieht 80 Prozent seiner Materialien aus China und 15 Prozent aus Italien, während es ins Herrenbekleidungsgeschäft expandiert. Auftragnehmer in beiden Ländern stoppten die Bestellungen inmitten des Chaos. »Meine Auftragnehmer in Italien und China sind total dagegen, weil es ihre Aufträge betrifft«, sagte Schlesinger. »Viele haben alles abrupt gestoppt.«
Die ständigen Wechsel belasten ihr Geschäft in Trumps zweiter Amtszeit. Schlesinger hat Preiserhöhungen bisher vermieden, indem sie ihr Geschäftsmodell anpasste. Die Unvorhersehbarkeit lastet jedoch schwer. »Zehn Prozent heute, und morgen wacht er auf und macht 20 Prozent drauf?«, fragte sie. »Es gibt hier keine Kontrollen.«
Joseph Eisenhauer, Dekan des College of Business Administration an der University of Detroit Mercy, nannte die Entwicklungen zu große internationale Nachrichten mit hohen finanziellen Einsätzen. Laut Eisenhauer hat die Bundesregierung durch Zölle mehr als 100 Milliarden Dollar, möglicherweise 200 Milliarden Dollar, eingenommen. Großteile könnten nun an Importeure zurückgezahlt werden müssen.
Ständige Politikwechsel erzeugen wirtschaftliche Volatilität. »Mal gibt es Zölle, mal nicht, neue Zölle, keine Zölle – diese Unsicherheit bremst Investitionen«, erklärte Eisenhauer.
Michigan-Unternehmen wie Skinnytees stehen im Zentrum dieser Zollkämpfe. Der Bundesstaat hängt stark von Fertigung und Importen ab, von Autos bis Bekleidung. Trumps erste Zölle zielten auf Stahl, Aluminium und chinesische Waren ab und trafen Lieferketten hart. Das Supreme-Court urteilte am Freitag, dass die meisten diese präsidiale Befugnisse überschritten.
Trumps Gegenmaßnahme – ein pauschaler 10-Prozent-Zoll auf alle Importe – soll das Urteil umgehen. White-House-Vertreter erklärten, er falle unter von Kongress gewährte Notfallbefugnisse. Kritiker aus der Wirtschaft warnten vor steigenden Kosten für Verbraucher und Hersteller.
Schlesinger will die Lage genau beobachten. Sie hat Materialien gehortet und Lieferanten wo möglich gewechselt. Bei 150 Tagen vor uns sorgt sie sich um Langzeitschäden. »Eine Stunde dachten wir, es ist vorbei, dann drehte er es um«, sagte sie zur schnellen Politikwende.
Eisenhauer erwartet Auswirkungen auf Detroits Wirtschaft. Lokale Firmen kämpfen bereits mit höheren Inputkosten aus früheren Zöllen. Rückzahlungen könnten Liquidität bringen, wenn Importeure den bürokratischen Aufwand meistern. »Die finanziellen Folgen sind erheblich«, fügte er hinzu.
Mit dem nahenden Montag beraten Michigan-Manager mit Anwälten und Buchhaltern. Skinnytees-Mitarbeiter beantworten Kund-fragen zu möglichen Verzögerungen. Die Zoll-Saga zeigt keine Entspannung, Unternehmen müssen kurzfristig umsteuern.
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