Bei einem hochrangigen Treffen, das von der EU-Delegation und dem ägyptischen Ministerium für Wasserressourcen und Bewässerung gemeinsam veranstaltet wurde, betonte die EU-Botschafterin Angelina Eichhorst die Bedeutung der Frauenbeteiligung im Wassersektor anlässlich des Weltwassertags 2026. Das Event mit dem Thema „Wasser und Geschlecht – Wo Wasser fließt, wächst Gleichheit“ unterstrich die strategische Notwendigkeit, Frauen in die Wasserwirtschaft einzubeziehen, um wirtschaftliche Stabilität und Klimaresilienz in Ägypten sicherzustellen.

EU-Ägypten-Partnerschaft bringt messbare Ergebnisse

Seit 2007 hat die Europäische Union 600 Millionen Euro an Zuschüssen für Ägypten bereitgestellt, was insgesamt 3,5 Milliarden Euro an Investitionen ausgelöst hat. Diese Mittel haben zur Ausweitung von fast 11.000 Kilometern Wasserleitungen und zur Unterstützung von 200 Wasser- und Abwasserbehandlungsanlagen im ganzen Land beigetragen. Die gemeinsamen Bemühungen haben rund 25 Millionen Bürger profitiert und den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Dienstleistungen verbessert.

Eichhorst betonte, dass Ägypten weiterhin eines der am stärksten wasserarmen Länder der Welt bleibt. Diese Knappheit belastet Frauen und Mädchen ungleich stärker, die oft die verborgenen Kosten des Wassermangels tragen, wie das Sammeln von Wasser und das Management von Haushaltsbedürfnissen. Die Botschafterin betonte, dass die Einbeziehung von Frauen in Führungspositionen im Wassersektor nicht nur ein sozialer Imperativ, sondern auch eine strategische Notwendigkeit für effektive Regierungsführung und Ressourcenmanagement ist.

Frauen als Schlüssel zur Wasserwirtschaft

Eichhorst betonte, dass die Ausschluss von Frauen aus Entscheidungspositionen Prioritäten unvollständig lässt und Investitionen weniger wirksam macht. Sie argumentierte, dass die Einbeziehung von Frauen als Ingenieurinnen, Forscherinnen und Gemeinschaftsleiterinnen der effektivste Weg ist, um die Wasserwirtschaft zu verbessern und nachhaltige Entwicklung sicherzustellen.

Das Event beinhaltete auch den Start des Projekts „Ward El Kheir“, das die Botschafterin als praktisches Modell für den grünen Übergang lobte. Das Projekt zielt darauf ab, Umweltprobleme in wirtschaftliche Chancen für lokale Frauen zu verwandeln, während Wasserläufe geschützt und nachhaltige Praktiken gefördert werden. Das Programm gilt als Schlüsselkomponente Ägyptens umfassender Strategie, um Wasserknappheit und Klimawandel zu bekämpfen.

Eichhorst versprach, dass die nächste Phase der EU-Ägypten-Strategischen Partnerschaft „geschlechtergerecht gestaltet“ sein wird. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Bedürfnisse aller Gemeinschaftsmitglieder von Anfang an in Infrastruktur- und Finanzierungsprojekte integriert werden. Die Botschafterin betonte die Bedeutung proaktiver Politikgestaltung und rief dazu auf, dass der Weltwassertag nicht nur ein Moment zur Reflexion, sondern auch eine Gelegenheit für entscheidende Handlungen sein sollte.

In Anlehnung an den heiligen Monat Ramadan drückte Eichhorst ihre Verpflichtung aus, weiterhin mit Ägypten zusammenzuarbeiten, um eine Zukunft zu schaffen, in der Gleichheit gemeinsam mit dem Fluss des Nils wächst. Die Botschafterin rief zu einer stärkeren Stimme für Frauen nicht nur als Nutznießerinnen, sondern auch als Führerinnen und Entscheidungsträgerinnen im Wassersektor auf.

Was Analysten über den Wechsel in der Führung sagen

Laut Dr. Layla Hassan, einer Umweltpolitik-Expertin an der Universität Kairo, ist der Schwerpunkt der EU auf die Frauenbeteiligung im Wassersektor ein bedeutender Schritt nach vorn. „Dieser Wechsel adressiert nicht nur Geschlechterungleichheit, sondern verbessert auch die Effektivität von Wasserwirtschaftsstrategien“, sagte sie. „Die Einbeziehung von Frauen in Entscheidungspositionen führt zu inklusiveren und nachhaltigeren Politiken.“

Hassan betonte, dass Ägypten historisch gesehen eine begrenzte Repräsentation von Frauen in technischen und Führungspositionen hatte, insbesondere in Infrastruktur- und Umweltsektoren. Das EU-Initiative wird als Katalysator für Veränderung gesehen, der mehr Frauen ermutigt, Karrieren im Ingenieurwesen und Wasserwirtschaft zu verfolgen.

Laut einem Bericht des United Nations Development Programme (UNDP) aus dem Jahr 2025 rangiert Ägypten unter den niedrigsten Ländern im arabischen Raum hinsichtlich der Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt, mit nur 23 % der Frauen, die aktiv arbeiten. Der Bericht betont auch, dass Frauen oft in niedrigqualifizierten und informellen Jobs konzentriert sind, mit begrenztem Zugang zu hochqualifizierten und technischen Berufen.

Eichhorst Aufruf zur Frauenbeteiligung ist Teil eines breiteren Bewegungs zur Förderung der Gleichstellung in der Region Naher Osten und Nordafrika (MENA). Die EU ist ein starker Verfechter geschlechtergerechter Politiken in ihren Entwicklungsprogrammen und betont, dass inklusive Wachstum für langfristige Stabilität und Prosperität entscheidend ist.

Zukünftige Auswirkungen und nächste Schritte

Die EU-Ägypten-Strategische Partnerschaft wird in den nächsten Jahren auf mehrere Schlüsselbereiche fokussieren, darunter Wasserressourcenmanagement, Klimaresilienz und Gleichstellung. Laut dem Partnerschaftsplan wird die EU zusätzliche Mittel für Wasserinfrastrukturprojekte bereitstellen, die Geschlechtergerechtigkeit und Gemeinschaftsteilnahme priorisieren.

Eines der bevorstehenden Projekte ist die Ausweitung des „Ward El Kheir“-Programms, das Arbeitsplätze für Frauen in ländlichen Gebieten durch nachhaltige Wasserwirtschaftspraktiken schaffen möchte. Das Programm wird auch Trainings- und Kapazitätsaufbau-Initiativen beinhalten, um Frauen in Führungspositionen im Sektor zu unterstützen.

Offizielle Vertreter des ägyptischen Ministeriums für Wasserressourcen und Bewässerung haben die Vision der EU unterstützt und sich verpflichtet, geschlechtergerechte Politiken in ihre nationalen Wasserwirtschaftsstrategien zu integrieren. Das Ministerium plant, eine Reihe von Workshops und Trainingsprogrammen zu starten, um die Teilnahme von Frauen an technischen und Führungspositionen zu fördern.

Eichhorst betonte, dass der Erfolg der EU-Ägypten-Partnerschaft von der anhaltenden Zusammenarbeit und Verpflichtung beider Seiten abhängt. „Die Zukunft der Wasserwirtschaft in Ägypten wird durch die Einbeziehung aller Stimmen geprägt, insbesondere der Frauen“, sagte sie. „Dies ist nicht nur ein moralischer Imperativ, sondern auch eine praktische Notwendigkeit für nachhaltige Entwicklung.“