Frankreich hat disziplinäre Ermittlungen gegen seinen Botschafter in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) angestoßen, nachdem Behauptungen aufgekommen waren, er habe Dutzende Frauen in sein Dienstwohnhaus gelassen. Das berichtete The Guardian.

Vorwürfe und Ermittlungen

Die Untersuchung erfolgt, während Paris versucht, seine Beziehungen zur ZAR nach deren deutlicher Verschlechterung in den letzten Jahren wiederherzustellen. Dabei hat sich Russland zunehmend in das ehemalige französische Kolonialgebiet eingemischt.

Laut der französischen Wochenzeitung Le Canard enchaîné soll der Botschafter Bruno Foucher, 65, zwischen Januar 2024 und März 2026 etwa 30 Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren in sein Dienstwohnhaus eingeladen haben. Einige von ihnen blieben über Nacht. Diese Besuche lösten bei Behörden Bedenken hinsichtlich der Sicherheit aus.

Der Botschafter habe zugegeben, sexuelle Beziehungen zu zwei jungen Frauen gehabt zu haben, berichtete die Zeitung.

Das französische Auswärtige Amt erklärte: „Im Auftrag des Ministeriums wurde 2026 eine Verwaltungsuntersuchung in Bangui durchgeführt. Nach Eingang der Ergebnisse dieser Mission und auf Antrag des Ministers wurden disziplinäre Maßnahmen gegen den Botschafter eingeleitet. Diese Ermittlungen laufen noch.“

Das Ministerium führte eine Ortsbesichtigung im April durch, was zur Eröffnung der disziplinären Ermittlungen führte.

Hintergrund zum Botschafter

Foucher ist Karriere-Diplomat und hat seit 2023 die Botschaft in der ZAR inne. Zuvor war er Botschafter in Libanon (2017,2020), Iran (2011,2016) und Tschad (2006–2011).

Laut Le Canard enchaîné, das den Bericht über die Ortsbesichtigung erwähnte, soll der Botschafter etwa 15 Besuche pro Monat erhalten haben. Er soll auch angewiesen haben, dass einer der jungen Frauen während seines Abseins im Dienstwohnhaus bleiben durfte.

Kontext in der ZAR

Russland hat in der ZAR eine starke Position, vor allem durch die paramilitärische Gruppe Wagner, die eine zentrale Rolle bei der Sicherheitsversorgung des Präsidenten Faustin-Archange Touadéra spielt.

Französische Behörden werfen den Russen vor, in mehreren afrikanischen Ländern antifranzösische Stimmung zu schüren.

Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot lobte bei einem Besuch in Bangui im März die „vollständige Wiederherstellung der Beziehungen“ zwischen Frankreich und der ZAR.