NASA hat in ihrem Artemis-Mondprogramm eine strategische Änderung vorgenommen und hat die Oberstufe Centaur V von ULA für die Space Launch System (SLS)-Raketen ausgewählt. Dabei hat das Raumfahrtamt ein verzögertes und überbudgetiertes Custom-Design zugunsten einer bewährten kommerziellen Lösung aufgegeben. Die Entscheidung, die in einer Auftragsbekanntmachung detailliert beschrieben wird, markiert einen bedeutenden Wechsel in der Herangehensweise der Agentur an Mondmissionen.

Zieländerung und Zeitplan

Das Artemis-Programm, das darauf abzielt, Menschen erneut zum Mond zu schicken, hat eine umfassende Überarbeitung erfahren. Ursprünglich war ein menschlicher Landeversuch mit Artemis III für 2028 geplant, nun will NASA den ersten menschlichen Landeversuch mit Artemis IV durchführen, wobei auch Artemis V und VI für dasselbe Jahr vorgesehen sind. Diese Anpassung spiegelt eine breitere Strategie wider, eine dauerhafte menschliche Präsenz auf der Mondoberfläche zu gewährleisten.

Amit Kshatriya, stellvertretender Administrator der NASA, betonte die Notwendigkeit von Konsistenz in der Missionsgestaltung. „Wir möchten die Landemissionen so weit wie möglich in der gleichen Erdaufstiegskonfiguration fliegen – das bedeutet, Oberstufen und Startanlagen so weit wie möglich in der ‚Block 1‘-Konfiguration zu verwenden“, sagte Kshatriya. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Komplexität zu reduzieren und die Missionserfolgschance zu erhöhen.

Aufgabe der Exploration Upper Stage

Die Entscheidung für die Oberstufe Centaur V folgt auf den Verzicht auf die Exploration Upper Stage (EUS), eine eigens entwickelte Oberstufe, ursprünglich von Boeing für die Block 1B-Konfiguration der SLS-Rakete entwickelt. Die EUS, die von vier RL10-Motoren angetrieben und mit größeren Kraftstofftanks ausgestattet sein sollte, war dafür konzipiert, die Nutzlastkapazität der SLS erheblich zu erhöhen.

Allerdings stand die EUS vor schwerwiegenden Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. Laut internen Berichten gab es kaum Fortschritte in Richtung Flugbereitschaft, wobei die geschätzten Kosten deutlich die ursprünglichen Prognosen überstiegen. NASA-Beamte nannten diese Herausforderungen als Hauptgrund für den Verzicht auf die EUS zugunsten einer zuverlässigeren und kosteneffizienteren Lösung.

Anstatt auf die Flugbereitschaft der EUS zu warten, hat NASA stattdessen die Centaur V gewählt, die bereits auf ULA’s Vulcan Centaur-Rakete eingesetzt wird. Diese Oberstufe wird von einem einzigen RL10-Motor angetrieben und hat sich in früheren Starts als zuverlässig erwiesen. Die Centaur V ist eine Kryostufe, die schwerere Nutzlasten in höhere Umlaufbahnen transportieren kann als die vorherige Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS), die in früheren Artemis-Missionen verwendet wurde.

Strategische Auswirkungen und Impuls

Der Wechsel zur Oberstufe Centaur V stellt eine pragmatische Entscheidung der NASA dar, um das Artemis-Programm zu beschleunigen. Durch die Nutzung bestehender kommerzieller Hardware kann die Agentur Entwicklungsrisiken und Kosten reduzieren und häufigere Starts ermöglichen. Diese Entscheidung entspricht der breiteren Strategie der NASA, sich stärker auf kommerzielle Partner wie ULA und SpaceX zu verlassen, um kritische Komponenten ihrer Mondforschung zu sichern.

Laut der Auftragsbekanntmachung der NASA handelt es sich bei dem Vertrag mit ULA um einen exklusiven Vertrag, bei dem keine Wettbewerbsausschreibung erforderlich war. Dieser Ansatz unterstreicht das Vertrauen der Agentur in die Fähigkeiten der Centaur V und deren bewährte Leistung in der Raumfahrt.

Branchenanalysten vermuten, dass dieser Schritt auch die Entwicklung zukünftiger Schwerlastraketen beeinflussen könnte. Obwohl die Leistung der Centaur V nicht so groß ist wie die der EUS, reicht sie aus, um die Artemis IV und darüber hinaus Missionen zu unterstützen, insbesondere da die NASA eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond anstrebt. Die Entscheidung für die Centaur V wird voraussichtlich bis Ende 2025 getroffen, wobei die ersten Starts der modifizierten SLS-Konfiguration für 2027 geplant sind.

Die Einführung der Oberstufe Centaur V markiert einen klaren Bruch mit dem ursprünglichen Plan, eine eigene Oberstufe zu entwickeln. Sie spiegelt die wachsende Betonung der NASA auf die Zusammenarbeit mit Industriepartnern und die Nutzung von Standardtechnologie wider, um Missionziele effizienter zu erreichen. Während das Artemis-Programm voranschreitet, wird diese Entscheidung vermutlich den Verlauf der Mondforschung für viele Jahre prägen.