Als Krieg die Ölexporte aus dem Persischen Golfe stört, prüfen Regierungen, ob sie Notreserven nutzen sollen, um die Preisschocks zu mildern. Die Situation hat eine Debatte über die Rolle strategischer Ölvorräte ausgelöst, wobei die US-Strategische Ölreserve (SPR) und ähnliche Einrichtungen weltweit im Mittelpunkt stehen.

Global Reserven und der Ölpreissturm durch den Iran-Krieg

Die Internationale Energieagentur (IEA), bestehend aus 32 Ländern, verwaltet laut der Organisation mindestens 1,2 Milliarden Barrel Öl in Notreserven. Diese Vorräte wurden in den 1970er Jahren als Schutz vor Energiekrise eingerichtet und wurden fünfmal eingesetzt, darunter während des Golfkriegs 1991, nach den Hurrikans Rita und Katrina 2005, nach dem Bürgerkrieg in Libyen 2011 und zweimal 2022 aufgrund des Ukraine-Konflikts.

Zu den IEA-Mitgliedstaaten zählt die Vereinigten Staaten mit den größten Notreserven, die in vier unterirdischen Einrichtungen am Golf von Mexiko über eine Kapazität von mehr als 700 Millionen Barrel Öl verfügen. Derzeit enthalten die Vorräte etwa 415 Millionen Barrel, also 60 Prozent der Gesamtkapazität. Dieser Stand wurde erreicht, nachdem ehemaliger Präsident Joe Biden unter dem Druck der Invasion Russlands in die Ukraine einen Rekordabbau vornahm.

Unterdessen hat China, der größte Ölimporteur der Welt, laut Schätzungen des Center on Global Energy Policy der Columbia University strategische Reserven von etwa 1,4 Milliarden Barrel aufgebaut. Dies unterstreicht ein wachsendes Bewusstsein für den Bedarf an Energieicherheit inmitten geopolitischer Spannungen.

Politische und logistische Hürden

Trotz der Verfügbarkeit dieser Reserven hat die US-Regierung vorsichtig reagiert und Öl aus der SPR nicht freigegeben. Präsident Donald Trump und sein Energieminister Christopher Wright haben hohe Energiepreise als vorübergehend beschrieben und angedeutet, dass sich der Markt ohne staatliche Eingriffe selbst korrigieren würde.

Japan hingegen hat laut der Nikkei Zeitung seine Öllager auf einen möglichen Freigabevorgang vorbereiten lassen. Die Regierung hat jedoch noch keine offizielle Entscheidung getroffen. Indien hat gemäß Berichten vom 9. März erklärt, nicht vorzugehen, um seine Notreserven zu nutzen.

Analysten sind jedoch skeptisch bezüglich der Effektivität solcher Maßnahmen. Selbst wenn die maximale Entnahmequote der US-SPR – 4,4 Millionen Barrel pro Tag – mit Beiträgen anderer IEA-Mitglieder kombiniert wird, könnte dies nur teilweise den täglichen Verlust von 11 bis 16 Millionen Barrel Ölvorräten aus dem Persischen Golfe kompensieren, wie Citigroup geschätzt hat.

Laut dem US-Energiedepartment hat die SPR eine maximale Entnahmekapazität von 4,4 Millionen Barrel pro Tag. Eine Analyse aus dem Jahr 2016 deutete jedoch an, dass die tatsächliche Kapazität auf 1,4 bis 2,1 Millionen Barrel pro Tag begrenzt sein könnte. Während der Freigabe im Jahr 2022 überschritt die SPR laut Daten von ClearView Energy Partners nie die 1,1 Millionen Barrel pro Tag.

Märkter Vertrauen und politische Realitäten

Einige Beamte argumentieren, dass der aktuelle Ölmarkt nicht in Krise sei. Energieminister Christopher Wright erklärte am 8. März, dass es aufgrund starker US-Ölproduktion „keinen Mangel“ an Öl gebe. IEA-Generalsekretär Fatih Birol stimmte diesem Standpunkt zu und sagte, es bestehe ein „riesiges Überschuss“ am Markt.

Die Haltung der Trump-Regierung, keine Öl aus der SPR freizugeben, könnte jedoch politisch motiviert sein. Der Präsident und andere Republikaner kritisierten die Biden-Regierung bereits lange dafür, die Reserven zu entleeren. Eine Freigabe könnte Kritik von Demokraten auslösen und die Bemühungen der Regierung, die SPR zu auffüllen, untergraben.

Logistische Herausforderungen spielen ebenfalls eine Rolle. Die Trump-Regierung versucht, die SPR „bis zum Rand“ zu füllen, doch die Einrichtungen sind nicht dafür ausgelegt, Öl gleichzeitig zu empfangen und freizugeben. Zudem hat die Regierung Schäden an der Infrastruktur aus dem vorherigen Abbau erwähnt und betont, dass Reparaturen laufen.

Laut dem Gesetz von 1975, das die SPR eingerichtet hat, hat ein Präsident das Recht, bei einer „schwerwiegenden Energieversorgungsunterbrechung“, die die nationale Sicherheit oder die Wirtschaft bedroht, eine vollständige Entnahme zu verordnen. Eine begrenzte Entnahme – bis zu 30 Millionen Barrel – kann bei einem „nationalen oder internationalen Energieversorgungsengpass von erheblicher Ausdehnung oder Dauer“ verordnet werden.

Die Debatte über die Rolle der SPR bei der Bewältigung der Ölkrise durch den Iran-Krieg spiegelt größere Spannungen zwischen kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen und langfristigen Energiestrategien wider. Während die Situation im Persischen Golfe weiterhin sich verändert, bleibt die Entscheidung, ob Notreserven genutzt werden sollen, ein entscheidender Faktor für die Gestaltung globaler Energiemärkte.