Eine neue Meldung wirft der Regierung Nigerias vor, Milliarden Naira an Boko Haram-Terroristen gezahlt zu haben, um 230 entführte Schüler und Mitarbeiter der katholischen Internatsschule St. Marys in Papiri, Niger, zu befreien. Wenn sich diese Zahlung bestätigt, wäre sie ein schwerer Verstoß gegen die strengen Antiransom-Gesetze, die Nigeria 2022 verabschiedet hat.

Entführung löst nationale Schockwellen aus

Die Entführung von Schülern und Mitarbeitern der katholischen Internatsschule St. Marys am 21. November schockierte Nigeria. Zunächst wurden über 300 Menschen entführt, wobei mindestens 50 aus der Gefangenschaft entkommen sollen. Der Angriff auf eine Schule, ein Symbol der Unschuld, löste Wellen der Besorgnis aus und stellte die Sicherheit von Bildungseinrichtungen in Konfliktregionen in Frage.

Laut Informationsquellen, die AFP zitiert, zahlte die nigerianische Regierung eine Kaution zwischen 2 und 10 Milliarden Naira, um die Kinder zu befreien. Eine Quelle behauptete, die Regierung habe etwa 40 Millionen Naira pro Geisel gezahlt, was insgesamt etwa 7 Millionen US-Dollar entsprechen würde. Andere schätzen den Betrag auf 2 Milliarden Naira.

Überweisung der Kaution und Verhandlungen

Die Gelder sollen laut Berichten per Hubschrauber in das Boko-Haram-Gebiet in Gwoza, Borno, nahe der Grenze zu Kamerun, transportiert worden sein. Das Geld soll einem ranghohen Boko-Haram-Kommandanten namens Ali Ngulde übergeben worden sein. Aufgrund der schlechten Kommunikation in der abgelegenen Region soll Ngulde in den Nachbarstaat Kamerun gegangen sein, um die Zahlung zu bestätigen, bevor die erste Gruppe von 100 Kindern befreit wurde.

Die Untersuchung deutet auf einen gefürchteten Boko-Haram-Führer namens Sadiku als Drahtzieher der Entführung hin. Sadiku, bereits für den Diebstahl eines Zuges aus Abuja im Jahr 2022 und die Erpressung hoher Kautionen bekannt, soll laut Berichten eine Terrorzelle in Niger betreiben, obwohl die Gruppe traditionell im Nordosten aktiv ist.

Zwei Boko-Haram-Kommandanten sollen im Rahmen der Verhandlungen ebenfalls befreit worden sein – ein Schritt, der bei Sicherheitsanalysten und internationalen Partnern wahrscheinlich Empörung auslösen wird. Die nigerianische Regierung hat wiederholt geleugnet, irgendeine Kaution gezahlt zu haben. Das nigerianische Department of State Services (DSS) betonte: „Regierungsbeamte zahlen keine Kautionen.“

Jedoch widersprachen vier Informanten, die mit den Verhandlungen vertraut sind, dieser offiziellen Position und sagten AFP, die Zahlung sei tatsächlich erfolgt, nach intensiven verdeckten Gesprächen, die vom nationalen Sicherheitsberater Nuhu Ribadu geleitet wurden. Die Verhandlungen sollen zwei Wochen gedauert haben, bevor die Gefangenen befreit wurden.

Auswirkungen auf Diplomatie und Terrorismusbekämpfung

Die Enthüllung könnte diplomatische Spannungen mit den Vereinigten Staaten auslösen. Präsident Donald Trump hatte zuvor am Heiligabend Luftangriffe auf jihadistische Ziele im nördlichen Nigeria und den Einsatz militärischer Trainer zur Unterstützung der nigerianischen Streitkräfte angeordnet. Eine bestätigte Kaution mit Boko Haram würde die öffentlich vertretene Antiterror-Position Nigerias direkt widersprechen und möglicherweise internationale militärische Zusammenarbeit untergraben.

Nigeria kriminalisierte Kautionen 2022 und machte es illegal, dass Einzelpersonen oder Institutionen Entführer bezahlen. Die angebliche Regierungsüberweisung, wenn sie bestätigt wird, wäre ein dramatischer Verstoß gegen dieses Gesetz. Das Land leidet seit Jahren unter Massenentführungen, wobei bewaffnete Banden und jihadistische Gruppen schwache Sicherheitsstrukturen nutzen, um Millionen von Familien und Gemeinden zu erpressen.

Bislang hat die Präsidentschaft keine neue Erklärung zu der AFP-Untersuchung abgegeben. Analysten warnen, dass ein solcher Verstoß gegen die Politik die öffentliche Vertrauenswürdigkeit der Regierung in ihrer Antiterror-Strategie schwächen könnte und Entführer in der Region mutiger machen könnte.