BEIJING — Auf die jüngsten US- und israelischen Angriffe auf Iran hin wartete China mehrere Stunden, bevor es seine erste offizielle Stellungnahme abgab. China drückte dabei ‘hohe Sorge’ aus und forderte ein sofortiges Ende der militärischen Operationen sowie das Wiederbeginnen von Gesprächen. Die Antwort war zwar klar, betonte aber Chinas vorsichtige Haltung gegenüber regionalen Konflikten und priorisierte langfristige strategische Interessen vor direkter Einflussnahme.

Strategische Nicht-Intervention

Chinas Außenminister Wang Yi kritisierte die Angriffe als unakzeptabel und wiederholte am nächsten Tag den Aufruf zu neuen diplomatischen Gesprächen. Es gab jedoch keine Anzeichen für direkte Intervention, ein Muster, das mit Chinas Herangehensweise an frühere Konflikte übereinstimmt, einschließlich der Reaktion auf den Angriff auf Iran im letzten Jahr.

Analysten deuten Chinas Zurückhaltung auf seine umfassende geopolitische Strategie zurück. Obwohl China militärische Übungen mit Iran durchgeführt und 2017 eine Basis in Djibuti eingerichtet hat, liegt sein Fokus auf der Schutz seiner Interessen in Asien, insbesondere im Südchinesischen Meer und bei Taiwan. China hat auch eine Rolle in der Nahost-Diplomatie gespielt, beispielsweise die Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien 2023 vermittelt, vermeidet aber direkte militärische Beteiligung in der Region.

William Yang, ein Analyst des International Crisis Group, stellte fest, dass China sich nicht gern militärische Macht jenseits seiner unmittelbaren Nachbarschaft projiziert und nicht bereit ist, in instabilen Regionen wie dem Nahen Osten als Sicherheitsgarant zu agieren. ‘China konzentriert sich auf seine eigenen strategischen Ziele, anstatt in regionale Konflikte einzusteigen’, sagte er.

US-China-Beziehungen haben Vorrang

Chinas zurückhaltende Reaktion spiegelt auch die Priorisierung seiner Beziehungen zu den USA gegenüber seinen Beziehungen zu Iran wider. Analysten vermuten, dass Pekins Unzufriedenheit mit den Angriffen die laufenden Pläne für einen Besuch von US-Präsident Donald Trump in Peking im April nicht beeinträchtigen wird. Die Beziehungen zwischen den USA und China sind auf mehreren Ebenen entscheidend, einschließlich Handel, Wirtschaft und der Frage Taiwan.

George Chen, Partner bei The Asia Group, sagte, dass China zwar eine Wortkrieg mit den USA über Iran führen könnte, aber ein neuer Konflikt mit Trump mehr Risiken als Vorteile mit sich brächte. ‘Die US-China-Beziehungen sind bereits kompliziert genug, um für beide Regierungschefs zu bewältigen’, sagte er. ‘Die Hinzufügung Irans zur Mischung wird etwas, das beide Seiten nicht gerne tun würden.’

Trotzdem vermuten einige Analysten, dass Peking den Trump-Besuch in Betracht ziehen könnte, wenn sich die Spannungen weiter verschärfen. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts bleibt jedoch gering, bedingt durch die Bedeutung stabiler US-China-Beziehungen.

Ökonomische und Energiebedenken

China ist der größte Ölimporteur aus Iran, hat aber alternative Quellen entwickelt, um den Einfluss potenzieller Störungen zu mildern. Laut Kpler, einem Daten- und Analyseunternehmen, importierte China letztes Jahr etwa 1,4 Millionen Barrel pro Tag – oder 13 % seiner insgesamt seefrachtführenden Ölimporte – aus Iran. Das Unternehmen schätzt jedoch, dass genug Öl bereits in der Transitphase ist, um vier bis fünf Monate zu decken, was den Raffinerien in China Zeit gibt, sich anzupassen.

Muyu Xu, eine Senior Analystin bei Kpler, stellte fest, dass russisches Öl vermutlich der primäre Ersatz sein wird. ‘Der Verlust des iranischen Öls wirkt marginal, nicht materiell, zumindest kurzfristig’, sagte sie. Allerdings umfassen die breiteren Bedenken Chinas steigende Energiepreise und potenzielle Störungen im Hormuz-Strait oder Angriffe auf Flüssiggasanlagen in Golfstaaten.

QatarEnergy, ein großer Lieferant von Flüssiggas, stoppte die Produktion am Montag, nachdem seine Anlagen angegriffen wurden. Jede Störung in dieser Lieferkette könnte Auswirkungen auf globale Energiemärkte haben, einschließlich Chinas.

Analysten betonen auch, dass China wahrscheinlich keine direkte militärische Unterstützung für Iran bereitstellen wird. Muhammad Zulfikar Rakhmat, ein Forscher am Center of Economic and Law Studies in Indonesien, sagte, dass jede militärische Unterstützung auf bestehende langfristige Verteidigungsabkommen beschränkt bleiben würde und direkten Konfrontationen mit den USA und deren Verbündeten vermeiden würde.

China kritisierte zuvor die USA dafür, Waffen an die Ukraine zu liefern, argumentierend, dass solche Aktionen Konflikte verlängern. James M. Dorsey, ein außerordentlicher Senior Fellow an der Nanyang Technological University in Singapur, stellte fest, dass zwar Irans Raketenprogramm auf chinesischer Technologie basiert, China aber wahrscheinlich vorsichtig sein wird und keine Raketen an Irans Streitkräfte verkaufen wird.

Die Reaktion der chinesischen Regierung auf die jüngsten Angriffe spiegelt eine breitere Strategie wider, sich nicht in regionale Konflikte einzumischen, während sie sich auf wirtschaftliche und diplomatische Interessen konzentriert. Während sich die Spannungen im Nahen Osten weiterentwickeln, wird Chinas Herangehensweise vermutlich weiterhin vorsichtiges Beobachten und strategische Einbindung bleiben.