PARIS – Frankreich wird den US-Botschafter Charles Kushner zu einer Verhandlung bitten, nachdem Beamte der Trump-Administration die Ermordung des rechten Aktivisten Quentin Deranque als Terrorismus bezeichnet haben. Der 23-Jährige starb am 12. Februar an Kopfverletzungen, die er bei Zusammenstößen zwischen radikalen Linken und der rechten Szene in Lyon erlitt.
Außenminister Jean-Noel Barrot bestätigte am Sonntag gegenüber Le Monde, France Inter und France Info die Einberufung. „Wir werden den US-Botschafter in Frankreich zu einer Verhandlung bitten, da das US-Konsulat in Frankreich sich über dieses Trauma, das die nationale Gemeinschaft betrifft, geäußert hat“, sagte Barrot. Er betonte, dass Frankreich „jegliche Versuche, dieses Trauma für politische Zwecke zu nutzen, ablehnt.“
Das Außenministerium gab keine Daten für das Treffen mit Kushner bekannt, dem Vater von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump. Der Tod von Deranque hat die Spannungen zwischen Linken und Rechten in Frankreich verschärft, zumal die Präsidentschaftswahl 2027 bevorsteht.
Freitag postete Sarah Rogers, stellvertretende Außenministerin für öffentliche Diplomatie, auf X, dass der Tod von Deranque „zeigt, warum wir politische Gewalt – Terrorismus – so streng bestrafen“. Sie fügte hinzu: „Sobald man entscheidet, Menschen aufgrund ihrer Meinung zu töten statt sie zu überzeugen, hat man sich aus der Zivilisation verabschiedet.“
Das Antiterroreministerium des Außenministeriums stimmte dieser Aussage zu. Es teilte auf sozialen Medien mit, dass „radikale Linksextremismus auf dem Vormarsch ist und seine Rolle bei dem Tod von Quentin Deranque zeigt, welches Risiko er für die öffentliche Sicherheit darstellt.“ Das US-Konsulat in Frankreich teilte die Nachricht in französischer Sprache weiter.
Die Zusammenstöße entbrannten am Rande einer Demonstration gegen einen Politiker der linken Partei France Unbowed. Sechs Männer wurden wegen des Angriffs, bei dem Deranque starb, angeklagt. Behörden verhafteten auch einen parlamentarischen Mitarbeiter eines radikalen linken Abgeordneten wegen Mitwisserschaft.
Mehr als 3.000 Menschen nahmen an einer Gedenkparade in Lyon am Samstag teil. Die Polizei stellte schwere Sicherheitsmaßnahmen bereit, um neue Gewalt zu verhindern.
Der Vorfall hat diplomatische Spannungen auch jenseits des Atlantiks ausgelöst. Italiens Premierministerin Giorgia Meloni, die enge Beziehungen zu Trump hat, bezeichnete den Tod von Deranque als „Wunde für ganz Europa“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte sie für ihre Äußerungen zu innerfranzösischen Angelegenheiten.
Bars Entscheidung unterstreicht, wie sensibel Frankreich gegenüber Kommentaren aus dem Ausland zu inneren Unruhen ist. Der Tod des rechten Aktivisten hat Debatten über politische Gewalt vor den nationalen Wahlen angestoßen.
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