Am zweiten Tag der russischen Wahlen zum Staatstag meldete die Zentrale Wahlkommission (CEC) starke und ununterbrochene Cyberangriffe auf Moskaus elektronisches Stimmabgabesystem. Ella Pamfilova, Leiterin der CEC, sagte, die Angriffe hätten die ganze Nacht andauern und seien am Samstagmorgen immer noch im Gange. „Der Angriff läuft weiter – er kommt praktisch nicht zum Stillstand“, teilte sie Medienberichten zufolge mit, wie staatliche Medien und Al Jazeera berichteten.
Angriffsdetails und Reaktion
Pamfilova erklärte, das System sei trotz des „sehr groß angelegten und intensiven“ Angriffs weiterhin betriebsbereit. Auch das russische Digitalministerium meldete einen Sabotageversuch an Kommunikationsleitungen in der Ferne Ost, den es als abgewehrt und vollständig wiederhergestellt bezeichnete. Die CEC gab jedoch keine Details über die Natur der Angriffe oder die Verantwortlichen preis.
Präsident Wladimir Putin beschuldigte die Ukraine, versuchen zu wollen, die Wahl zu „behindern“. Kyiv hat diese Anschuldigung noch nicht beantwortet. Die Ukraine hatte die Wahl bereits als „farcical“ abgelehnt. Während der Wahlangriffe richteten am Freitagmorgen über 350 ukrainische Drohnen Angriffe auf Moskau, wie der Bürgermeister der Stadt berichtete. Dies könnte darauf hindeuten, dass Kyiv Luftangriffe einsetzt, um die öffentliche Wahrnehmung des Kriegs in Russland zu beeinflussen.
Wahlkontext und politische Lage
Die Wahl, die alle 450 Sitze im unteren Haus Russlands bestimmen wird, ist die erste seit dem vollen Einfall in die Ukraine im Februar 2022. Die pro-Putin-Partei United Russia wird voraussichtlich ihre Vorherrschaft in dem streng kontrollierten politischen System behalten. Die meisten antikriegsorientierten Kandidaten wurden von der Wahl ausgeschlossen, nachdem das Oberste Gericht im vergangenen Monat entschieden hatte, dass die liberale Partei Jabloko gegen Wahlregeln verstoßen habe, was diese Partei bestreitet.
Da die Wahl als möglicher Maßstab für die öffentliche Unterstützung des Kriegs in der Ukraine angesehen wird, warnte Pamfilova auch vor dem Risiko von Deepfake-Videos während der Stimmabgabe, wie Radio Free Europe berichtete. Bis 14:00 Uhr Ortszeit am Samstag (11:00 Uhr MEZ) lag die bundesweite Wahlbeteiligung bei 32,58 Prozent, wie staatliche Medien unter Berufung auf Daten der CEC berichteten.
Internationale Berichterstattung und Verifikation
Obwohl Russland die Cyberangriffe als gesicherten Fakt darstellte, bleibt die unabhängige Verifikation unklar. Laut einer Analyse von newscord.org gaben 7 von 8 Medien keine Details über die Bestätigung der Angriffe an. Radio Free Europe hob hervor, dass es an unabhängiger Bestätigung fehlt. Arab News und die meisten anderen Medien stimmten mit der offiziellen russischen Darstellung überein.
Die Wahl ist bis 18:00 Uhr MEZ am Sonntag geplant. Während die Wahl weiterläuft, bleibt das Augenmerk darauf gerichtet, ob die gemeldeten Cyberangriffe das Ergebnis oder das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Wahlprozess beeinflussen werden.
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