Microsoft (NASDAQ: MSFT) verzeichnete einen Rückgang seiner Aktienkurse um 25 Prozent vom Rekordhoch, was den niedrigsten Kurswert seit mehr als drei Jahren darstellt. Der Rückgang löste unter Investoren Debatten aus, ob das Unternehmen jetzt unterbewertet ist oder ob weitere Kursverluste bevorstehen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht Copilot, Microsofts KI-gestützter virtueller Assistent, der bislang noch keine breite Akzeptanz gefunden hat, obwohl er in Schlüsselprodukte wie Windows, Bing und Microsoft 365 integriert ist.

Modestes Wachstum bei der Nutzung von Copilot

Copilot, der sowohl als Chatbot als auch als Produktivitätstool fungieren kann, ist über Microsofts Windows- und Bing-Plattformen kostenlos verfügbar. Unternehmen müssen jedoch für die Integration in Microsoft 365 Lizenzgebühren zahlen. Trotzdem bleibt die Akzeptanz niedrig: Bis zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 31. Dezember endete, wurden nur 15 Millionen Lizenz für Microsoft 365 verkauft. Das entspricht einer Penetrationsrate von lediglich 3,7 Prozent unter den weltweit 400 Millionen aktiv genutzten Microsoft 365-Lizenzen.

Trotz dieser bescheidenen Zahlen gibt es Zeichen für Wachstum. Die Anzahl der Microsoft 365-Lizenzen für Copilot stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 160 Prozent. Die Anzahl der Unternehmen, die über 35.000 Lizenz besitzen, verdreifachte sich während des Quartals. Die tägliche Nutzerzahl stieg zudem zehnmal, was darauf hindeutet, dass Unternehmen, die das Tool nutzen, es tendenziell über ihre gesamte Belegschaft ausweiten.

Bedarf an Rechenzentren und Auftragsbestand

Microsofts Cloudplattform Azure, die den Recheninfrastruktur für Copilot und andere KI-Anwendungen bereitstellt, wächst weiterhin schnell. Das Unternehmen meldete am 31. Dezember einen Auftragsbestand von 625 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 110 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Auftragsbestand hat Microsoft veranlasst, in den letzten vier Quartalen 118 Milliarden Dollar in die Errichtung neuer Rechenzentren zu investieren, wobei noch weitere Ausgaben für die Zukunft geplant sind.

Allerdings ist ein erheblicher Teil dieses Auftragsbestands – 281 Milliarden Dollar, also 45 Prozent – mit OpenAI verbunden, dem Start-up, das die GPT-Modelle bereitstellt, die viele von Microsofts KI-Initiativen antreiben. OpenAI erzielt derzeit etwa 20 Milliarden Dollar jährlichen Umsatz und hat kürzlich 110 Milliarden Dollar Kapital gesammelt. Analysten fragen sich jedoch, ob diese Finanzierung ausreichen wird, um die Verpflichtungen gegenüber Microsoft und anderen Cloud-Anbietern zu erfüllen.

Trotz dieser Bedenken hat Azure starke Umsatzwachstumsraten aufgewiesen, mit mindestens 39 Prozent Wachstum in jedem der letzten drei Quartale. Microsofts Management hat erklärt, dass die Nachfrage nach Cloud-Computing weiterhin die Versorgung übersteigt, was darauf hindeutet, dass das Unternehmen genug Kunden hat, um zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten in absehbarer Zeit zu absorbieren.

Bewertung und Marktposition

Microsofts Aktienkurs wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25,3 bewertet, was der niedrigste Wert seit mehr als drei Jahren ist. Dies stellt einen deutlichen Kontrast zu dem KGV von 31,8 des Nasdaq-100 und dem KGV von 24,7 des S&P 500 dar. Analysten argumentieren, dass diese Unterbewertung rätselhaft ist, wenn man berücksichtigt, dass Microsoft eines der qualitativ hochwertigsten Unternehmen in den USA ist.

Laut Finanzexperten ist die Möglichkeit, Microsoft-Aktien zu einem so niedrigen KGV zu kaufen, selten und könnte eine starke Ergänzung für langfristige Investitionspools sein. Allerdings identifizierte kürzlich das Motley Fool Stock Advisor-Team 10 Aktien, die nach Ansicht der Experten bessere Investitionsmöglichkeiten als Microsoft darstellen, darunter Unternehmen wie Netflix und Nvidia, die historisch hohe Renditen erzielt haben.

Der Kurs von Microsoft-Aktien wurde durch breit gefächerte Marktsituationen und die Leistung seiner KI-Initiativen beeinflusst. Obwohl das Wachstum von Copilot vielversprechend ist, bleibt die aktuelle Nutzung für einige Investoren eine Sorge. Das Unternehmen wird voraussichtlich weiterhin stark in die Cloud-Infrastruktur investieren, doch die langfristige Nachhaltigkeit seines Wachstums hängt davon ab, wie effektiv es Copilot und andere KI-Tools skalieren kann.

Da sich das KI-Landschaft weiterentwickelt, wird die Fähigkeit von Microsoft, seinen Wettbewerbsvorteil im Cloud-Computing und in der KI-Entwicklung zu bewahren, entscheidend sein. Die bevorstehenden Finanzberichte und strategischen Schritte des Unternehmens werden wahrscheinlich Schlüsselindikatoren dafür sein, ob der Aktienkurs sich erholen oder weiter abnehmen wird.