Luxemburg hat die Idee, eine Bevölkerungsgrenze wie in der Schweiz einzuführen, klar abgelehnt. Politische Führungskräfte und Wirtschaftsexperten warnten, dass eine solche Politik eine ‘Dystopie’ darstellen und gegen EU-Recht verstoßen würde. Dies folgt auf die Ankündigung der Schweiz, im Juni ein Referendum zur Begrenzung der Bevölkerung auf 10 Millionen bis 2050 abzuhalten.
Politische und wirtschaftliche Bedenken bezüglich Bevölkerungsgrenzen
Die schweizerische Regierung bestätigte im April, dass ein Referendum im Mittel Juni zur Entscheidung über einen Vorschlag abgehalten werden wird, die Bevölkerung des Landes auf 10 Millionen bis 2050 zu begrenzen. Das Referendum würde auch ermöglichen, Maßnahmen zu aktivieren, wenn die Bevölkerung 9,5 Millionen überschreitet, einschließlich Beschränkungen für Asylsuchende und Familienzusammenführungen.
Jedoch lehnen politische Parteien in Luxemburg sowie das Wirtschaftsdenkwerk Fondation Idea eine ähnliche Initiative ab. Laut der Denkfabrik wäre eine solche Politik ‘ein Rezept für Katastrophe’ und würde den wirtschaftlichen Wachstum schädigen, der stark auf ausländischen Arbeitskräften und internationalen Fachkräften beruht.
Die Demokratische Partei (DP), die zur aktuellen Regierungskoalition mit der Christlich Sozialen Union (CSV) gehört, betonte, dass der wirtschaftliche Wachstum Luxemburgs eng mit dem Arbeitsmarkt verbunden ist, der auf grenzüberschreitenden Arbeitern und internationalen Fachkräften angewiesen ist. Ein Sprecher der DP sagte, die Partei unterstütze ‘eine proaktive Herangehensweise, die sich auf bessere Planung und Vorhersage demografischer Trends konzentriert’, anstatt künstliche Bevölkerungsgrenzen einzuführen.
Laut Daten des Luxemburgischen Statistischen Bureaus (Statec) ist die Bevölkerung Luxemburgs seit Beginn des Jahrhunderts um über 50 % gewachsen, von etwa 440.000 im Jahr 2000 auf über 680.000 im Jahr 2025. Eine Studie von Eurostat aus letztem Jahr prognostiziert, dass das Land bis 2100 fast eine Million Einwohner erreichen wird.
Ausländische Arbeitskräfte treiben wirtschaftliches Wachstum
Ausländische Arbeitskräfte spielen eine entscheidende Rolle in der Wirtschaft Luxemburgs. Im Jahr 2024 kamen täglich fast 236.000 grenzüberschreitende Arbeiter ins Land, was etwa 47 % der gesamten Arbeitskraft ausmacht. Ausländer, sowohl Einwohner als auch grenzüberschreitende Arbeiter, machen etwa 75 % der Arbeitskräfte im Privatsektor aus.
Trotzdem dürfen nur Luxemburg-Nationalspieler an Parlamentswahlen teilnehmen. Ein Referendum im Jahr 2015 sah 80 % der Wähler einen Vorschlag ab, die Stimmrecht für Ausländer zu erweitern, die heute fast die Hälfte der Bevölkerung ausmachen und über 70 % in der Hauptstadt Luxemburg City.
Die Grüne Partei (déi Gréng), die zur aktuellen Regierungskoalition gehört, erklärte klar, dass ein ähnliches Referendum in Luxemburg ‘gegen unsere Überzeugungen’ sei und einen ‘rechtspopulistischen Ansatz widerspiegeln würde, der die Gesellschaft polarisieren und spalten würde.’
Laut einem Sprecher der Grünen lehnt die Partei die Idee einer Bevölkerungsgrenze ab und betont, dass ‘Menschen aus dem Ausland historisch und weiterhin ein entscheidender Teil des Erfolgsgeschichtes Luxemburgs sind.’
Rechte Partei unterstützt Bevölkerungsgrenze
Die rechte ADR-Partei ist die einzige große politische Kraft in Luxemburg, die ein Referendum über Bevölkerungsgrenzen unterstützt. In einer Erklärung an die Luxemburger Zeitung sagte ein ADR-Sprecher, dass ein Referendum ermöglichen sollte, dass die Bürger entscheiden können, ob Luxemburg langfristig unter einer Million Einwohnern bleiben soll.
Die ADR beschreibt das aktuelle demografische Wachstum Luxemburgs als ‘unkontrolliert’ und als ‘Ursache für gravierende strukturelle Probleme’, wie Wohnungsnot, Verkehrsprobleme und ‘soziale Kohäsion’. Die Partei betonte auch, dass Luxemburg, im Gegensatz zu der Schweiz, Teil der EU ist und daher ‘den Anordnungen von Brüssel unterworfen’ sei, was die Umsetzung von Bevölkerungsbeschränkungen erschweren würde.
Die sozialistische LSAP, die größte Oppositionspartei, erklärte, sie verstehe die Frustrationen hinter der Schweizer Initiative, bleibe aber ‘gegen die Schließung von Grenzen’ und warnte, dass eine solche Politik ‘weder rechtlich noch wünschenswert’ sei.
Laut einem LSAP-Sprecher verschärft sich die Bevölkerungswachstumsentwicklung die Ungleichheit und belastet die Infrastruktur, wobei Wohnungen unerschwinglich werden und öffentliche Dienste unter Druck geraten. Zwischen 2010 und 2024 stiegen die Immobilienpreise in Luxemburg um über 62 %, wobei der Durchschnittspreis pro Quadratmeter 2024 über 8.000 Euro betrug, laut Daten von Immotop.
Vincent Hein, Direktor der Fondation Idea, sagte, dass die negativen Auswirkungen des Bevölkerungswachstums, wie Wohnungsnot und Verkehrsprobleme, nicht allein auf die Bevölkerungszunahme zurückzuführen sind, sondern auch auf unzureichende Planung und mangelhafte Umsetzung nationaler Strategien. Er forderte mehr Wohnungsbauprojekte und die Umsetzung der Strategie für nachhaltige Mobilität bis 2035, um diese Probleme zu lösen.
Hein warnte, dass eine strikte Bevölkerungsgrenze, wie sie in der Schweiz vorgeschlagen wurde, ‘verheerende Folgen’ für Luxemburg haben würde. Er sagte, das Land müsse entweder die EU verlassen oder weniger attraktiv für internationale Fachkräfte werden, was für die Wirtschaft entscheidend sei.
Auch andere Parteien, einschließlich der Piraten, lehnten die Idee von Bevölkerungsgrenzen ab und forderten, sich auf ‘intelligente Wachstumsplanung’ zu konzentrieren, anstatt willkürliche Grenzen zu setzen. Parteichef Sven Clement betonte die Notwendigkeit eines Wohnungsbauplans und erheblicher Investitionen in den Verkehr und die öffentliche Infrastruktur, um eine hohe Lebensqualität für alle Bewohner sicherzustellen.
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